TK-Studie zu multiresistenten Keimen

Mehrkosten in Millionenhöhe

Berlin - 04.08.2015, 16:55 Uhr

Manch ein Patient wird erst im Krankenhaus richtig krank - das kostet die Krankenkassen viel Geld. (Bild: Marco2811/Fotolia)

Manch ein Patient wird erst im Krankenhaus richtig krank - das kostet die Krankenkassen viel Geld. (Bild: Marco2811/Fotolia)


Jede einzelne Infektion mit multiresistenten Erregern (MRE) verursacht 17.500 Euro Mehrkosten. Wer mit einen multiresistenten Keim infiziert ist, muss durchschnittlich 27 Tage im Krankenhaus bleiben. Das ist dreimal so lang wie die reguläre Verweildauer und der Grund dafür, dass 90 Prozent der anfallenden Mehrkosten im stationären Sektor entstehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse (WINEG). Zusammen mit Forschern der Universität Greifswald hat es anonymisierte Daten von bundesweit 11.000 TK-Versicherten ausgewertet, die sich mit MRE angesteckt hatten.

Danach sorgt ein MRE-Fall allein im Krankenhaus für Mehrkosten von 16.230 Euro. Anschließend kommen im Schnitt nochmal 100 Euro für ambulante Nachfolgebehandlungen hinzu. Zudem werden Arzneimittel mit einem durchschnittlichen Wert von 1.187 Euro verordnet, um die Infektion zu bekämpfen. Hochgerechnet auf alle Krankenkassen entstehen durch die Infektion mit multiresistenten Erregern so Kosten in Höhe von jährlich mehreren hundert Millionen Euro.

Valide Daten: Fehlanzeige

Valide Daten darüber, wie viele Menschen in Deutschland jährlich aufgrund einer Infektion mit multiresistenten Erregern erkranken, gibt es bislang nicht. Experten-Schätzungen schwanken zwischen mehreren Hunderttausend bis zu einer Million Infektionen. Auch die Angaben darüber, für wie viele Patienten eine Ansteckung tödlich endet, weichen erheblich voneinander ab. Während das Bundesgesundheitsministerium von 10.000 bis 15.000 Fällen jährlich ausgeht, vermutet die deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene bis zu 40.000 Todesfälle. Klar ist aber: Viele Infektionen könnten vermieden werden, würden Hygienemaßnahmen eingehalten.

Um die Zahl von Infektionen mit multiresistenten Erregern zu verringern, plädiert die TK für generelle Tests von Risikogruppen bei der Krankenhausaufnahme. Kliniken sollen so das Risiko beseitigen, bevor die Keime die Betroffenen und weitere Patienten infizieren. Ein positives Beispiel sei das Marienkrankenhaus in Kassel. Die Klinik hatte Ende Juli angekündigt, ab September dieses Jahres alle Patienten auf multiresistente Klinikkeime testen zu wollen. Auch die Politik ist sich des Problems multiresistenter Keime gewahr. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat im Frühjahr einen 10-Punkte-Plan zur Vermeidung behandlungsassoziierter Infektionen und Antibiotika-Resistenzen vorgelegt.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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