Cholesterolsenker Alirocumab

Positives Votum für zweiten PCSK-9-Inhibitor

Stuttgart - 27.07.2015, 11:34 Uhr

Wenn der Cholesterinspiegel einfach nicht sinken will, könnte bald Alirocumab eine Option sein. (Foto: Fotolia - groisboeck)

Wenn der Cholesterinspiegel einfach nicht sinken will, könnte bald Alirocumab eine Option sein. (Foto: Fotolia - groisboeck)


Der Humanarzneimittelausschuss (CHMP) der europäischen Zulassungsbehörde EMA hat den monoklonalen Antikörper Alirocumab zur Zulassung empfohlen. Alirocumab (Praluent®) ist nach Evolocumab (Repatha®) der zweite Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse, die über die Hemmung des Proteins PCSK9 den Cholesterol-Spiegel senkt.

PCSK9 steht für Proprotein Convertase Subtilisin/ Kexin Type 9. Es handelt sich dabei um ein Enzym, das wie LDL-Cholesterol an LDL-Rezeptoren hepatischer Zellen binden kann. Nach Bindung von PCSK9 an den Rezeptor gelangt der gebildete Komplex in die Zelle. Anders als die LDL-Cholesterol-Rezeptorkomplexe, die in der Zelle gespalten und recycelt werden, werden die PCSK9-Rezeptor-Komplexe abgebaut, der Rezeptor steht nicht mehr für die Cholesterol-Aufnahme zur Verfügung. Blockiert man PCSK9, wird die Zahl der LDL-Rezeptoren auf der Oberfläche der Hepatozyten erhöht und der Cholsterol-Spiegel somit gesenkt. Alirocumab ist nach Evolocumab der zweite Wirkstoff, der in diesen Kreislauf eingreift.

Patienten, bei denen trotz der maximalen verträglichen Statindosis die Cholesterolwerte nicht kontrollierbar sind, sowie Patienten, die keine Statine vertragen, könnten von den neuen Subtanzen profitieren. Alirocumab ist indiziert bei primärer Hypercholesterolämie oder kombinierter Dyslipidämie zusätzlich zur Diät und soll zusammen mit einem Statin oder einer Statinkombinations-Therapie eingesetzt werden, bei Statinunverträglichkeit auch allein oder mit anderen Lipidsenkern.

Die Empfehlung des CHMP basiert auf Daten aus der ODYSSEEY-Studie, die eine signifikante Reduktion der LDL-Cholesterol-Spiegel durch Alirocumab gegenüber Placebo gezeigt hatte. Die Auswirkungen auf die kardiovaskuläre Mortalität wurden allerdings nicht ermittelt

Zulassung im Herbst erwartet

Die CHMP-Empfehlung wird jetzt an die Europäische Kommission übermittelt, die endgültig über die Zulassung entscheidet. Der Hersteller rechnet Ende September damit. In den USA hingegen steht Alirocumab den Patienten in diesen Tagen zur Verfügung. Hier haben die Aufsichtsbehörden die Zulassung letzte Woche erteilt. Der zweite Vertreter dieser Klasse, Evolocumab, ist seit wenigen Tagen in Europa zugelassen.


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