Kuriose Lage am Wiener Platz

Kölner muss zwei Apotheken Tür an Tür führen

Berlin - 21.07.2015, 15:10 Uhr

Hinter der blauen Säule befindet sich die Nibelungen Apotheke. (Foto-Montage: G. Weiß/DAZ)

Hinter der blauen Säule befindet sich die Nibelungen Apotheke. (Foto-Montage: G. Weiß/DAZ)


Keine 50 Meter voneinander entfernt muss der Kölner Apotheker Heinz Jürgen Schäfer die nächsten Jahre zwei Apotheken führen. Diese kuriose Lage mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken hat der Apotheker nicht kommen sehen. Die rechtliche Lage zwingt ihn nun zur Doppelapotheke Tür an Tür.

Eigentlich wollte Apotheker Schäfer vom Wiener Platz seine Offizin nur ein paar Meter weiter in neue, größere Räume verlagern. Seine seit 1988 im Einkaufszentrum betriebenen „Windmühlen Apotheke“ wollte er aufgeben. Dort zahlt Schäfer stolze 12.000 Euro Monatsmiete für 200 Quadratmeter. Nach der Geschäftsaufgabe des benachbarten Möbelhauses bot sich die Gelegenheit, in das dortige doppelt so große Ladenlokal für 4000 Euro Monatsmiete umzuziehen.

Schäfer kündigte seinen alten Mietvertrag und bot als Ersatz ein Sanitätshaus als Nachmieter an. Weil er monatelang vom Vermieter auf seine Kündigung keine Antwort erhielt, griff er schließlich zu, mietete die Räume, in der sich nun die Nibelungen Apotheke befindet mit moderner Ausrüstung für 500.000 Euro Umbaukosten. Das Sanitätshaus akzeptierte der Vermieter aber nicht.

Das Problem: Der Mietvertrag im Einkaufszentrum läuft bis 2018 und der Vermieter besteht auf Erfüllung: „Ich habe mit dem Eigentümer über eine Auflösung des Vertrags gesprochen und sogar einen Nachmieter vorgeschlagen“, erklärte Schäfer gegenüber dem Kölner „Express“.  Von der Apotheke erhofft sich der Altvermieter mehr Kundenverkehr für seine Galerie. Ohne Apotheke blieben womöglich auch Kunden in den anderen Geschäften weg. Nur gegen eine Ablösesumme von 400.000 Euro wollte er den Mietvertrag lösen.

Diese Summe will Schäfer aber nicht zahlen und nach Angaben einer Mitarbeiterin vorerst weitermachen. Wenn es wirtschaftlich geht, bis 2018. Denn jetzt droht der Vermieter mit Klage, weil Apotheker Schäfer im Nachbarhaus statt der „Windmühlen-Apotheke“ seine zuvor circa zwei Kilometer entfernte Filiale „Nibelungen-Apotheke“ einquartiert hat. Worauf sich die Klageandrohung stützt, kann Schäfer derzeit nur vermuten: „Wahrscheinlich geht es um so etwas wie Treuepflicht.“ Sollte die Klage kommen und Erfolg haben, „bin ich ruiniert“.


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