Interdisziplinäres Projekt in Leipzig

ZAMS für mehr AMTS

Berlin/Leipzig - 14.07.2015, 13:55 Uhr

In den Räumlichkeiten des bisherigen Dekanats soll das ZAMS noch in diesem Jahr einziehen. (Foto: jz/DAZ)

In den Räumlichkeiten des bisherigen Dekanats soll das ZAMS noch in diesem Jahr einziehen. (Foto: jz/DAZ)


Während auf politischer Ebene noch darüber diskutiert wird, inwieweit Apotheken im Sinne der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) beim geplanten Medikationsplan mitwirken sollen, werden in Leipzig anderweitig Fakten geschaffen: Ein interdisziplinäres Projekt von Universität und Universitätsklinikum will die Prävention Arzneimittel-bezogener Probleme gemeinsam vorantreiben – und hat dafür heute das Zentrum für Arzneimittelsicherheit (ZAMS) gegründet. Erklärtes Ziel: für Patienten die bestmögliche Sicherheit in der Arzneimitteltherapie zu gewährleisten.

„Arzneimittel sind ein unverzichtbarer Bestandteil praktisch aller modernen Behandlungsverfahren, bedürfen allerdings einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig (UKL). Viele unerwünschte Arzneiwirkungen seien jedoch vermeidbar und könnten verhindert werden, wenn entsprechende Verordnungs- und Anwendungsempfehlungen beachtet würden. „Das neu gegründete Zentrum für Arzneimittelsicherheit schafft eine interdisziplinäre Plattform, die für unsere Patienten eine optimal abgestimmte, effektive und sichere Arzneimitteltherapie garantiert.“

Zwei ausgewiesene Arzneimittelexperten an Bord

Im Direktorium des Zentrums sitzt unter anderem Prof. Dr. Thilo Bertsche, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie (DGKPha). „Wir wollen die verordnenden Ärzte ebenso wie Apotheker und Pflegekräfte durch wissenschaftlich nachgewiesene Präventionsstrategien unterstützen“, erklärt er. Ebenso zähle zu den Zielen, die Gesundheitsbildung der Bevölkerung zu verbessern – die richtige Einnahme von Medikamenten solle den Behandlungserfolg sichern. Letztlich sollten Patienten von anwenderorientierter Forschung profitieren.

Allein im UKL ließen sich jährlich rund 1.200 Medikationsfehler vermeiden, vermutet Dr. Roberto Frontini, Direktoriumsmitglied und Direktor der UKL-Krankenhausapotheke. Weiter erklärt der ehemalige Präsident des Verbandes der Europäischen Krankenhausapotheker (EAHP), dass die geplanten AMTS-Maßnahmen „verstärkt auch in die Fort- und Weiterbildung für Ärzte und Pflegedienstleister einfließen“ sollen. Gewonnene wissenschaftliche Erkenntnisse würden auch in der Region verfügbar gemacht. Frontini ist überzeugt: „Mithilfe unserer zahlreichen externen Kooperationspartner kann uns das gut gelingen.“

Gebündelte Forschung für mehr AMTS

Mit dem ZAMS würden „zukunftsweisende Forschungsfragen in der angewandten Arzneimittelsicherheit gebündelt“, freut sich Prof. Dr. Thomas Lenk, Prorektor für Entwicklung und Transfer an der Leipziger Universität. Auf diese Weise könne die Patientensicherheit unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen im praktischen Alltag und auf Basis wissenschaftlicher Forschungsprojekte bestmöglich erreicht werden. Das ZAMS passe sowohl zum Forschungsprofil der Universität sowie in die strukturelle Planung. Zudem biete es einen unmittelbaren Mehrwert für Patienten.

Losgehen soll es mit dem neuen Gemeinschaftsprojekt im Laufe des Jahres: Das Zentrum wird Räumlichkeiten der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie in der Leipziger Brüderstraße beziehen, nur wenige Meter neben dem Pharmazeutischen Institut und unweit des Universitätsklinikums. Als Fingerzeig für die Zukunft des Instituts will Fleig die Entscheidung für das neue Zentrum allerdings nicht verstanden wissen. Sie sei unabhängig von der aktuellen Diskussion gefallen, erklärte er. Einfach weil die pharmazeutische Expertise in der unmittelbaren Patientenanwendung und Therapie mit Medikamenten im europäischen Raum viel stärker einbezogen werden müsse.


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