Nachfolge-Probleme

Pharmazeutinnen lösen Verband auf

Stuttgart - 14.07.2015, 16:07 Uhr

Der Deutsche Pharmazeutinnen Verband ist Vergangenheit. (Logo: dpv)

Der Deutsche Pharmazeutinnen Verband ist Vergangenheit. (Logo: dpv)


Der Deutsche Pharmazeutinnen Verband (dpv) hat sich selbst aufgelöst. Wegen fehlender Kandidatinnen für die neu zu besetzenden Ämter der Verbandsvorsitzenden und ihrer Stellvertreterin musste die Mitgliederversammlung am 11. Juli in Frankfurt am Main die Auflösung des dpv bekanntgeben.

Trotz intensiver Bemühungen und vieler Gespräche mit Mitgliedern war es dem Vorstand des dpv nicht gelungen, Kandidatinnen für die Nachfolge der bisherigen Vorsitzenden, Dr. Martina Hahn, und ihrer Stellvertreterin Karin Wahl zu finden. Deswegen war die Mitgliederversammlung am vergangenen Samstag gezwungen, die Auflösung des dpv zu beschließen. In einem Schreiben an alle Mitglieder des Verbands („Bitte stellen Sie sich deshalb zur Wahl!“) hatte der Vorstand zuvor eindrücklich darauf hingewiesen, dass der Verband in seiner Existenz bedroht ist, wenn die Suche ergebnislos bleibt. Es sei fraglich, ob ohne den dpv „das bisher für Pharmazeutinnen in Deutschland Erreichte bestehen bleiben kann".

Der für das vergangene Wochenende geplante „Gender Medizin Kongress“, den der dpv zusammen mit dem „Anna Fischer Project“ in Heidelberg veranstalten wollte, musste zuvor wegen mangelnder Anmeldungen abgesagt werden.

„Es ist ein allgemeines Phänomen unserer Zeit, dass gerade Frauenverbände Schwierigkeiten haben, Mitglieder zu finden, die sich engagieren“, erklärte die langjährige dpv-Vorsitzende Karin Wahl gegenüber DAZ.online. Für sie sei es „unfassbar“, dass der Verband sich habe auflösen müssen.

Der 2002 gegründete dpv hatte sich zum Ziel gesetzt, „die Repräsentation der weiblichen Mitglieder des Berufsstands deutlich zu verbessern“, wie es auf der (bisher noch aktiven) Website des Verbands heißt. Man verfolge eine konsequente Umsetzung des so genannten Gender Mainstreaming im pharmazeutischen Bereich. Der dpv hat sich als Netzwerk von Frauen aus allen Tätigkeitsbereichen der Pharmazie verstanden, der Lobbyarbeit für die Chancengleichheit machen und die Begabungen und Fähigkeiten von Pharmazeutinnen fördern wollte. In den letzten Jahren hatte der dpv mit schwindenden Mitgliederzahlen zu kämpfen, zuletzt waren noch rund 100 Pharmazeutinnen in dem Verband organisiert.

Immer wieder hatte sich der dpv in der Vergangenheit auch zu gesellschaftlichen Fragen zu Wort gemeldet, beispielsweise zur Frage der Verschreibungspflicht der „Pille danach“ oder dem Vorhaben der EU, die Zuständigkeit für Arzneimittelfragen vom Gesundheits- auf das Industrieressort zu übertragen.


Dr. Benjamin Wessinger (wes), Apotheker / Herausgeber / Geschäftsführer
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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