„Multi-Blockbuster“ gegen Herzinsuffizienz

FDA lässt Sacubitril/Valsartan-Kombi zu

Stuttgart - 08.07.2015, 17:00 Uhr

Eine weitere Option: Die FDA lässt Entresto gegen Herzinsuffizienz zu. (Bild: Gina Sanders/Fotolia)

Eine weitere Option: Die FDA lässt Entresto gegen Herzinsuffizienz zu. (Bild: Gina Sanders/Fotolia)


Die amerikanische Aufsichtsbehörde FDA hat die fixe Kombination aus AT1-Rezeptorblocker Valsartan und dem Neprilysin-Inhibitor Sacubitril zur Behandlung der Herzinsuffizienz zugelassen. Es ist weltweit der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse, der Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI). In Studien hatte das Präparat, das unter dem Handelsnamen Entresto eingeführt werden soll, signifikant die Anzahl der Herzinsuffizienz-assoziierten kardiovaskulären Todesfälle sowie der Krankenhauseinweisungen reduziert. Die Zulassung erfolgte in einem beschleunigten Verfahren.

Das Wirkprinzip von Entresto, auch bekannt als LCz696, basiert zum einen auf der bei Herzinsuffizienz seit Langem als Therapieprinzip etablierten Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems durch Valsartan und zum anderen auf der zusätzlichen Inhibition von Neprilysin, einem Enzym, das für den Abbau von natriuretischen Peptiden (ANP und BNP) verantwortlich ist.

ANP und BNP sind vasodilatatorische Botenstoffe, die Gegenspieler zum vasokonstriktorisch wirkenden Angiotensin II darstellen und an verschiedenen Stellen an der Blutdruckregulation beteiligt sind. Unter anderem senken sie das Plasmavolumen durch eine erhöhte Diurese und Natriurese. Blockiert man also mithilfe der neuen Substanz das abbauende Enzym, führen die erhöhten ANP- und BNP-Spiegel zu einer Senkung der Vor- und Nachlast sowie zu einer Steigerung des Herzzeitvolumens.

Eine Studie zum klinischen Nutzen der Pharmakotherapie bei systolischer Herzinsuffizienz – die größte, die es bislang gab – war vorzeitig gestoppt worden, da sich Entresto bei einer Zwischenanalyse dem bisherigen Goldstandard Enalapril klar überlegen gezeigt hatte. Die häufigsten Nebenwirkungen der Studienteilnehmer waren niedriger Blutdruck, Hyperkaliämien und Nierenfunktionsstörungen. Zudem wurde über das Auftreten von Angioödemen infolge einer allergischen Reaktion berichtet. Afroamerikanische Patienten sowie Patienten, die eine derartige Reaktion schon einmal hatten, scheinen besonders gefährdet zu sein.

Die Therapiekosten für Entresto werden sich auf 12,50 US-Dollar belaufen. Die bisherige Standardtherapie mit Ramipril kostet keine 10 US-Dollar im Monat. Etwaige Rabatte für Krankenversicherungen sind dabei allerdings nicht berücksichtigt. Novartis-CEO Joe Jimenez soll laut dem Onlineportal „International Business Times“ das Präparat bereits jetzt als Multi-Blockbuster bezeichnet haben. Fünf Milliarden US-Dollar Jahresumsatz sollen erwartet werden.

Die Zulassung in Europa steht noch aus. Der Antrag wird derzeit geprüft. Ebenso wie in den USA wird dies in einem beschleunigten Verfahren erfolgen. Dafür hatte sich der Humanarzneimittelausschuss der europäischen Aufsichtsbehörde EMA im November vergangenen Jahres ausgesprochen.


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