Eine gegen (fast) alles

Sincronium: erste Polypille auf dem Markt

Stuttgart - 07.07.2015, 16:15 Uhr

Der Pillenberg schrumpft: Mit der Polypille reduziert sich die Zahl der einzunehmenden Tabletten. (Bild: grafikplusfoto/Fotolia)

Der Pillenberg schrumpft: Mit der Polypille reduziert sich die Zahl der einzunehmenden Tabletten. (Bild: grafikplusfoto/Fotolia)


Seit 1. Juli ist eine fixe Kombination aus ASS, Atorvastatin und Ramipril auf dem Markt. Sincronium ist das erste Präparat in Deutschland, das unterschiedliche Wirkansätze zur Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse miteinander kombiniert. Die „Polypille“, die aus pharmazeutischer Sicht eine Kapsel ist, soll bei Patienten mit Polymedikation die Adhärenz verbessern, da mit ihr die Zahl der einzunehmenden Tabletten reduziert wird.

100 mg ASS, 20 mg Atorvastatin sowie 2,5 oder 5 oder 10 mg Ramipril sind in Sincronium® enthalten. Laut einer Mitteilung des Herstellers Hexal verbessert sich bei gemeinsamer Gabe der Wirkstoffe die Adhärenz relativ um 22 Prozent im Vergleich zur medikamentösen Therapie mit den drei Einzelsubstanzen. Vor dem Hintergrund, dass 33,7 Prozent aller Patienten bereits im ersten Monat nach der Entlassung aus dem Krankenhaus mindestens eins von drei Medikamenten absetzen und 12,1 Prozent aller Patienten sogar alle drei, könnte die Polypille also ein vielversprechender Ansatz sein.

Fraglich ist allerdings, ob die Polypille tatsächlich auch im Hinblick auf Langzeitergebnisse, Gesamtmortalität und kardiovaskuläre Ereignisse der freien Kombination überlegen ist oder nur die Adhärenz steigert. Zu diesem Ergebnis kommt ein Cochrane-Review aus dem Jahre 2014. Die Qualität der aktuell vorhandenen Studie sei eher schlecht, heißt es dort. Zudem seien die Untersuchungen vor allem darauf ausgerichtet, Veränderungen bei den Risikofaktoren zu zeigen als bei der Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse.

Neben der verbesserten Adhärenz konnte dort lediglich gezeigt werden, dass Kombinationspräparate mehr Nebenwirkungen verursachen. Nach Einschätzung der Cochrane-Autoren sind daher weitere Untersuchungen notwendig, um die Wirksamkeit dieser Präparate auf kardiovaskuläre Ereignisse in der Sekundär- aber auch in der Primärprävention zu untersuchen.

Denn auch für die Primärprävention werden Polypillen immer wieder diskutiert. So hatten bereits im Jahre 2003 Nicholas Wald und seine Kollegen vom Londoner Wolfson-Institut für vorbeugende Medizin für Kontroversen gesorgt, als sie sich dafür aussprachen, flächendeckend allen über 55-Jährigen ein 6-fach-Kombipräparat aus ASS, Folsäure, einem Statin und drei Antihypertensiva zu verabreichen. Durchsetzen konnten sie sich mit ihrer Idee allerdings bislang nicht.


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