Feldversuch-Ergebnisse

Neuer Ebola-Schnelltest erfolgreich

Remagen - 07.07.2015, 08:55 Uhr

Ein Ebola-Schnelltest hat sich im Feldversuch als erfolgreich erwiesen. (Foto: mbz1/Fotolia)

Ein Ebola-Schnelltest hat sich im Feldversuch als erfolgreich erwiesen. (Foto: mbz1/Fotolia)


Ein neuer Test kann eine Infektion mit dem Ebola-Virus innerhalb von Minuten anzeigen, und zwar direkt am Point of Care. In einer Felduntersuchung in Sierra Leone hat sich der ReEBOV Antigen-Schnelltest als genauso empfindlich erwiesen wie die bei dem jüngsten Ebola-Ausbruch eingesetzten herkömmlichen laborbasierten Verfahren. Die Ergebnisse wurden jetzt in „The Lancet“ veröffentlicht. An dem Versuch waren Forscher von der Harvard Medical School (HMS) an der renommierten Privatuniversität in Cambridge, Massachusetts, „Partners In Health“ und Wissenschaftler von der Boston Kinderklinik beteiligt.

Er fand in zwei Ebola-Behandlungszentren statt. 106 Patienten mit Verdacht auf eine Infektion wurden im Februar 2015 mit dem Schnelltest, der von der Firma Corgenix aus Broomflied in Colorado entwickelt wurde, am Point of care mittels einer Blutprobe aus der Fingerbeere untersucht. Der ReEBOV-Test funktioniert ähnlich wie ein Schwangerschaftstest: Die Probe wird auf einen vorbehandelten Streifen aufgetragen. Wenn sie Ebola-positiv ist, erscheint an einem bestimmten Ort eine farbige Linie. Die Patienten wurden auch unter Verwendung der Standard-Technik mittels Reverse Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) an Plasma im Labor gescreent. Daneben wurden sowohl die Schnelldiagnosetests mit Vollblut als auch die RT-PCR-Tests mit Plasma an 284 Proben im Labor durchgeführt.

Im Ergebnis erfasste der Schnelldiagnosetest alle bestätigten Ebola-Fälle, die nach dem Benchmark-Test am Point of Care und in Labortests positiv waren, mit einer Empfindlichkeit von 100 Prozent und einer Spezifität von 92 Prozent (wenige Falsch-positive Ergebnisse). Derzeit müssen für Ebola-Diagnosen Proben von hoch infektiösem Blut gezogen werden, oft mit unsicheren Nadeln und Spritzen, und dann manchmal über große Entfernungen mit erheblichen Risiken für die Mitarbeiter des Gesundheitswesens in die Speziallabore geschafft werden. Danach müssen Ärzte und Patienten mehrere Tage auf die Ergebnisse warten. 

Schnelle Diagnose könnte bei Eindämmung helfen

„Die Vereinfachung der Verfahren und die Beschleunigung der Diagnose könnte einen großen Einfluss auf die Eindämmung der Epidemie haben“, erklärt die Leit-Autorin der Publikation, Dr. Nira Pollock, Assistenz-Professorin an der Harvard Medical School und stellvertretende ärztliche Direktorin des Diagnose-Labors für Infektionskrankheiten an der Boston-Kinderklinik, in der Harvard Gazette. Letztlich müssten nun die Behörden für die öffentliche Gesundheit in jedem der betroffenen Länder entscheiden, ob und wie der Test in der Praxis eingesetzt wird, unter Berücksichtigung der Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation und der US Food and Drug Administration.

Nach dem jüngsten Ebola-Update des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) vom 1. Juli 2015 ist die Gefahr der Verbreitung des Ebola-Virus in Ländern, die an  Guinea und Sierra Leone grenzen, aufgrund der hohen grenzüberschreitenden Mobilität der Menschen und der unzureichenden Überwachung nach wie vor hoch. Auch eine erneute Übertragung von Ebola in Gebiete, die bereits für Ebola-frei erklärt wurden, wird nicht ausgeschlossen.

Quelle: Broadhurst MJ et al. ReEBOV Antigen Rapid Test kit for point-of-care and laboratory-based testing for Ebola virus disease: a field validation study. Lancet. 2015 Jun 25. pii: S0140-6736(15)61042-X. doi: 10.1016/S0140-6736(15)61042-X. [Epub ahead of print]


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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