Kein Arznei-Notprogramm vorbereitet

Zöller: Lage in Griechenland katastrophal

Berlin - 06.07.2015, 11:40 Uhr

Beurteilt die Lage in Griechenland als "katastrophal": der Sonderbeauftragte des BMG, Wolfgang Zöller. (Foto: Sket)

Beurteilt die Lage in Griechenland als "katastrophal": der Sonderbeauftragte des BMG, Wolfgang Zöller. (Foto: Sket)


In Griechenland spitzt sich die Situation zu – auch und vor allem in der Arzneimittelversorgung. „Die Lage ist katastrophal“, so CSU-Politiker Wolfgang Zöller, früherer Patientenbeauftragter der Bundesregierung und seit April 2014 Sonderbeauftragter des Bundesgesundheitsministerium für Griechenland. Nach Einschätzung Zöllers steht die Arzneimittelversorgung kurz vor dem Kollaps. Und ein Hilfsprogramm für Griechenland sei nicht vorbereitet.

Nächste Woche werde man sich in Berlin an einen Tisch setzen, so Zöller – er als Sonderbeauftragter, das Bundesgesundheitsministerium und das Entwicklungshilfeministerium. Die Lage Griechenlands sei mittlerweile so dramatisch, dass sie an Zustände in Entwicklungsländern erinnere. Zöller: „Mit diesem Ausgang des Referendums hat niemand gerechnet. Das Nein ist eine Katastrophe.“ Es selbst habe gemeinsam mit dem Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages mit dem griechischen Gesundheitsminister Panagiotis Kouroumplis vom Linksbündnis Syriza zu Jahresbeginn Gespräche geführt. „Seitdem haben wir nichts mehr gehört“.

Auf EU-Ebene werden nach Zöllers Kenntnis in dieser Woche die Planungen für Hilfsmaßnahmen anlaufen. Die Berliner Vertretung der EU-Kommission wollte sich zu Hilfsmaßnahmen nicht äußern. Erst mal müsse man die politischen Beratungen abwarten. Dann werde man im Laufe der Woche weitersehen, so eine Sprecherin.

Wie schwierig die Lage in Griechenland ist, weiß Zöller auch aus persönlicher Erfahrung. Der ehemalige Patientenbeauftragte ist mit einer Griechin verheiratet. „Meine Schwägerin ist 85 Jahre alt und kann nicht mehr laufen“, so Zöller. „Sie kann nicht mehr zur Bank gehen und anstehen. Wir schicken ihr per Brief Geld.“

Arzneimittelversorgung: Schlimmste Befürchtungen

In Griechenland droht die Arzneimittelversorgung zusammenzubrechen, weil das Land die meisten wichtigen Medikamente importiert, berichtete „welt.de“ am Wochenende. Der griechische Herstellerverband SFEE soll unlängst zwar noch erklärt haben, dass es derzeit keinen Grund gebe, sich Sorgen über eine angemessene medizinische Versorgung zu machen. In den Apotheken und Krankenhäusern vor Ort stelle sich die Lage aber teilweise ganz anders dar: Speziell bei lebenswichtigen Arzneien gegen Mukoviszidose, bei bestimmten Chemotherapeutika und bei Betablockern komme es schon jetzt immer wieder zu Verzögerungen in der Lieferkette.

Der „Bild“-Zeitung sagte der Kardiologe Ilias Sioras, er arbeitet seit 28 Jahren im größten Krankenhaus Athens, solche Zustände wie jetzt habe er noch nicht erlebt. „Wir befinden uns im Krieg“, sagte Sioras. „Die Medikamente, die wir jetzt noch haben, reichen gerade mal noch für anderthalb Monate.“ Das Budget werde immer weiter geschrumpft, seit Jahresbeginn hätten sie erst 15 Prozent ihres Jahresbudgets erhalten, und es hätte sogar schon einen Engpass bei den Antibiotika gegeben, berichtet der Arzt. „Wir werden auf jeden Fall Probleme bekommen“, so Sioras. „Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was das bedeutet.“


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