Insulin degludec

TK kritisiert Novo Nordisk für Marktrücknahme

Berlin - 06.07.2015, 14:50 Uhr

Tresiba® soll in Deutschland ab Ende September nicht mehr erhältlich sein - es hagelt Kritik. (Foto: Novo Nordisk)

Tresiba® soll in Deutschland ab Ende September nicht mehr erhältlich sein - es hagelt Kritik. (Foto: Novo Nordisk)


Die Techniker Krankenkasse (TK) kritisiert scharf, dass Novo Nordisk den Vertrieb von Insulin degludec (Tresiba®) hierzulande Ende September einstellen will – wodurch rund 40.000 Patienten dazu gezwungen sind, sich auf ein neues Insulinpräparat einzustellen. Die Verantwortlichen hätten die gesetzlichen Rahmenbedingungen gekannt, konstatiert TK-Chef Jens Baas. „Patienten und Ärzte werden durch dieses verantwortungslose Verhalten stark verunsichert.“ Um die Versorgung mit langwirksamen Insulinanaloga dauerhaft sicherzustellen, hat die Kasse nach eigenen Angaben aktuell eine Ausschreibung zu diesen Produkten im „Open-House-Verfahren“ veröffentlicht.

Nachdem der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) für das Basalinsulin keinen Zusatznutzen erkannt hatte und man sich anschließend auf keinen Erstattungspreis einigen konnte, musste die Schiedsstelle ran. Ihr Schiedsspruch entsprach am Ende im Wesentlichen den Forderungen des GKV-Spitzenverbands – der künftige Listenpreis wurde auf die Höhe der Kosten einer Therapie mit Humaninsulin festgesetzt. Es sei wirtschaftlich nicht tragbar, das Produkt in Deutschland weiter zur Verfügung zu stellen, teilte Novo Nordisk daraufhin mit und kündigte den Vertriebsstopp an.

Nicht nur Diabetikerorganisationen reagierten überrascht. Auch bei der TK kann man dieses Vorgehen weder nachempfinden noch gut heißen: „Die Verantwortlichen bei Novo Nordisk kannten die gesetzlichen Rahmenbedingungen und sie wussten, dass ihr Präparat keinen Zusatznutzen hat“, kritisiert Baas. „Umso unverständlicher ist es, dass sie erst mit Hilfe von Pharmaberatern und Marketing breit in den Markt gehen, viele Menschen auf das Präparat einstellen lassen und das Produkt nun wieder vom Markt nehmen.“

Dabei sei die Umstellung auf ein neues Insulin häufig deutlich schwieriger als der Wechsel bei anderen Arzneimitteln, mahnt die Kasse. Fertigpens etwa seien unterschiedlich in der Handhabung, zudem unterscheide sich die Wirkdauer bei vielen Insulinen erheblich und damit auch der Zeitpunkt und die Häufigkeit der Anwendung. Zur Unterstützung für Ärzte, die ihre Patienten nun auf ein anderes Präparat umstellen müssen, verweist die Kasse auf das Angebot, sich gebührenfrei von Arzneimittelexperten der Universität Bremen telefonisch beraten zu lassen (0800 – 285 85 80 52).


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