Bertelsmann-Studie

Löhne steigen, aber…

Berlin - 26.06.2015, 10:55 Uhr

Die Einkommen steigen bis 2020 an, doch das gilt nicht für alle. (Bild: Bastos/Fotolia)

Die Einkommen steigen bis 2020 an, doch das gilt nicht für alle. (Bild: Bastos/Fotolia)


Die Einkommen in Deutschland werden laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos AG in den kommenden fünf Jahren deutlich ansteigen: Danach treiben steigende Löhne das durchschnittliche verfügbare Jahreseinkommen für einen Beschäftigten im Jahr 2020 gegenüber 2012 inflationsbereinigt um 2.200 Euro nach oben – doch es kommt auf den Beruf an. Eine Prognose zur Entwicklung bei angestellten Apothekern gibt die Studie nicht.

Mit dem steigenden Lohneinkommen wird die Lohnungleichheit zunehmen: Geringverdiener, Sozialberufe, Dienstleister und Haushalte mit Kindern profitieren laut der Studie deutlich weniger als etwa Beschäftigte in der produzierenden Industrie. So kann sich nach der Simulationsberechnung inflationsbereinigt über 6200 Euro mehr freuen, wer in der chemischen oder pharmazeutischen Industrie arbeitet – wohingegen das verfügbare Einkommen pro Beschäftigtem im Gesundheits- und Sozialwesen von 2012 bis 2020 um 1050 Euro pro Jahr steigt. Auch erhöht sich das Einkommen derjenigen, deren Verdienst im oberen Fünftel (54.700 Euro im Jahr) liegt, durchschnittlich um 5300 Euro, während die unteren 20 Prozent (7200 Euro) nur mit einem Plus von 750 Euro rechnen können.

Eine Prognose zur Entwicklung in Apotheken trifft die Studie nicht direkt: Die Apotheken seien in der Studie in der Kategorie Einzelhandel eingeordnet, erklärt ein Bertelsmann-Sprecher – genauer unter „G Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“. In diesem Wirtschaftszweig rechnen die Studienautoren mit einem durchschnittlichen Einkommensanstieg von 1.750 Euro. Allerdings sei dieser Wirtschaftszweig vom klassischen Einzelhandel dominiert, so der Sprecher, von dem die Apotheken einen kleineren Teil ausmachten. „Die Produktivitätsveränderungen werden sich stärker am klassischen Einzelhandel orientieren, so dass eine eins zu eins Übersetzung der Zahlen für die Apothekenangestellten mit Vorsicht zu genießen ist.“

Als Fazit beklagt die Bertelsmann Stiftung den weiterhin bestehenden Trend zur größeren Lohnungleichheit in Deutschland: „Diese Entwicklung ist bedenklich, denn wachsende Ungleichheit beeinträchtigt die Zukunftschancen sowohl der Menschen als auch unserer Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes“, erklärt Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Die große Herausforderung der kommenden Jahre für Politik, Sozialpartner und die gesamte Gesellschaft sei es deshalb, Wege für ein inklusives Wachstum zu finden und die steigende Ungleichheit zu bremsen oder sogar zu verringern. Deutschland brauche Wachstum – aber gleichzeitig dürften nicht ganze Einkommensgruppen immer weiter abgehängt werden, mahnte De Geus.

Die Studie zur Lohneinkommensentwicklung 2020 kann hier heruntergeladen werden.


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