Pharmaindustrie

Große Hoffnungen für die Zukunft

Remagen - 26.06.2015, 17:15 Uhr

Mögen Pharmaunternehmen hierzulande zuweilen klagen: Global gesehen blüht die Branche weiterhin. (Foto: pogonici/Fotolia)

Mögen Pharmaunternehmen hierzulande zuweilen klagen: Global gesehen blüht die Branche weiterhin. (Foto: pogonici/Fotolia)


Die weltweiten Umsätze mit Rx-Arzneimitteln sollen bis zum Jahr 2020 fast eine Billion Dollar erreichen, bei einer robusten jährlichen Wachstumsrate von 4,8 Prozent zwischen 2014 und 2020. Im Jahr 2014 wurde der Umsatzanstieg mit Schlüssel-Rx-Arzneimitteln in Höhe von 4,9 Prozent im Wesentlichen von der rasanten Zunahme in den USA (+8,9 %) getrieben. Europa kehrte hingegen zu einem Wachstum von 2,4 Prozent zurück und Japan musste einen Einbruch um 2,6 Prozent hinnehmen. Dies geht aus dem neuen „World Preview 2015, Outlook to 2020“ des Marktforschungsunternehmens „Evaluate Pharma“ hervor.

Mit fünfzig Produkten habe die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA im letzten Jahr eine Rekordzahl neuer Arzneimittel zugelassen. Hierdurch habe sich das Umsatzpotenzial für die kommenden fünf Jahr um 45 Prozent erhöht, heißt es in einer Pressemitteilung zu dem neuen Report. Der Wert der F&E-Pipeline der pharmazeutischen Industrie wird dort mit 493 Milliarden US-Dollar beziffert (+18 % gegenüber dem Vorjahr), wobei Gileads potenzielle neue Kombination gegen Hepatitis C als „wertvollstes Produkt“ eingestuft wird.

Novartis bleibt Unternehmen Nummer eins

Top-Seller blieb im Jahr 2014 mit einem Umsatz von 13 Milliarden US-Dollar AbbVies Humira®, das auch im Jahr 2020 mehr als 25 Prozent des Marktes beanspruchen soll, so die Prognose. Sovaldi® debütierte im letzten Jahr mit 10 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz auf Platz zwei. Novartis, das Pharmaunternehmen Nummer eins im Jahr 2014 (Rx-Umsatz von ca. 53 Mrd. US-Dollar), soll seine Position auch im Jahr 2020 behaupten können und Gilead mit mehr als 50 Prozent Marktanteil das antivirale Segment dominieren.

Der Wert der Fusionen und Übernahmen (M&A-Transaktionen) hat sich laut Evaluate Pharma im letzten Jahr mit 116 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt, wobei die Anzahl solcher Transaktionen nach einem zweijährigen Rückgang erstmals wieder angestiegen ist.

Zwischen 2015 und 2020 sollen Umsatzanteile in Höhe von insgesamt 197 Milliarden US-Dollar durch Patent-Abläufe gefährdet sein, was jedoch nach derzeitigen Marktvoraussagen lediglich für 99 Milliarden US-Dollar zum Tragen kommen soll. Zwischen 2009 und 2014 seien 120 Milliarden hierdurch verloren gegangen. Dass der Rückgang in den nächsten sechs Jahren geringer ausfallen soll, wird größtenteils einer „weicheren“ Erosion nach Patentabläufen bei den biologischen Produkten zugeschrieben.

Kompromisse beim Marktzugang notwendig

„Alle Ängste bezüglich einer Verlangsamung, die die Pharmaindustrie nach den letzten beiden Jahren des phänomenalen Wachstums gehegt haben könnte, können damit vorerst ruhen“, sagt Lisa Urquhart, Redakteurin von EP-Vantage, der Publikations-Sparte von Evaluate Pharma. „Um dieses beeindruckende Wachstum aufrechtzuerhalten, muss die Industrie jedoch hinsichtlich der globalen Preisgestaltung und des Marktzugangs Kompromisse machen. Das heißt, sie muss entweder niedrigere Preise für ihre Produkte akzeptieren oder die Zahler davon überzeugen, dass deren therapeutischer Nutzen die Kosten für die Krankheit überwiegt.“


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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