Acetylsalicylsäure

Wirksam gegen Brustkrebs?

Remagen - 19.06.2015, 09:45 Uhr

ASS - was kann der Wirkstoff-Klassiker noch bewirken? (Bild: Zerbor/Fotolia)

ASS - was kann der Wirkstoff-Klassiker noch bewirken? (Bild: Zerbor/Fotolia)


Epidemiologische und andere experimentelle Studien legen nahe, dass Acetylsalicylsäure (ASS) das Risiko von verschiedenen Krebsarten einschließlich Brustkrebs reduzieren und deswegen als chemopräventives Mittel eingesetzt werden könnte. Zu dem möglichen Mechanismus und den Vor-und möglichen Nachteilen eines vorbeugenden Einsatzes des Schmerzmittels gegen Krebs ist jedoch bis dato wenig bekannt. Nun glauben Forscher der Krebsforschungseinheit am Kansas City Veterans Affairs Medical Center der Lösung einen Schritt näher gekommen zu sein. Die Ergebnisse ihrer Studien wurden kürzlich in der Zeitschrift „Laboratory Investigations“ publiziert.

Dr. Sushanta Banerjee, wissenschaftlicher Direktor der Krebsforschungseinheit, und sein Team verwendeten für ihre In vitro- und in vivo- Untersuchungen am Tier Tumor-Xenograft-Modelle. Zunächst wurden Krebszellen auf 96-Well-Mikrotiterplatten unterschiedlichen Konzentrationen von ASS ausgesetzt. Die Wissenschaftler beobachteten, dass die Exposition gegenüber dem Arzneimittel die Zelltod-Rate drastisch erhöhte, und dass die Zellen, die nicht starben, nicht weiter wachsen konnten.  

Danach erhielten zehn von zwanzig Mäusen mit aggressiven Tumoren über fünfzehn Tage die typische Niedrig-Dosierung von von 75 mg/kg/Tag ASS. Die Tumore aller Mäuse wurden am Ende der Studie gewogen, und es stellte sich heraus, dass die Tumore der mit ASS behandelten Mäuse fast um die Hälfte kleiner waren als die der unbehandelten Kontroll-Tiere.

Außerdem gab das Forschungsteam einer Gruppe von Mäusen zehn Tage bevor sie gegenüber Krebszellen  exponiert waren ebenfalls Acetylsalicylsäure. Nach fünfzehn Tagen Exposition hatte die ASS-Gruppe deutlich weniger Krebsgeschwulste als die Kontrollgruppe.

Nach der Interpretation der Wissenschaftler induziert ASS nicht nur die Apoptose. „Wir haben festgestellt, dass Restkrebszellen durch die Acetylsalicylsäure ihre Selbsterneuerungs-Eigenschaften verlieren“, erklärte Dr. Banerjee gegenüber Genetic Engineering & Biotechnology News. „Sie konnten nicht wachsen oder sich vermehren. Hieraus lassen sich zwei therapeutische Ansätze ableiten: Entweder wir geben es nach der Chemotherapie, um einen Rückfall zu verhindern, oder wir setzen es präventiv ein.“

Darüber hinaus regelt ASS offenbar auch andere pathophysiologische Ereignisse bei der Brustkrebs-Entstehung, wie beispielsweise die Neuprogrammierung des Übergangs von Zellen mit mesenchymalen Eigenschaften in Epithelzellen (mesenchymal to epithelial transition, MET) und die Verzögerung der in vitro Migration in Brustkrebszellen. Nach den Vermutungen der Forscher könnte die Tumor-inhibierende und die reprogrammierende Wirkung von ASS durch eine Hemmung des TGF-β/SMAD4-Signalwegs vermittelt werden, der mit dem Wachstum, der Motilität und Invasion sowie der Metastasierung beim fortgeschrittenen Mammakarzinom assoziiert ist.

„Noch sind unsere Erkenntnisse neu, und wir kennen die Nebenwirkungen nicht. Natürlich gibt es ein Risiko“, gesteht Banerjee angesichts der bekannten, gerinnungshemmenden Eigenschaften von Acetylsalicylsäure zu, „Aber Sie müssen dieses Risiko gegenüber den Risiken von Krebs abwägen.“

 

Maity G, De A, Das A, Banerjee S, Sarkar S, Banerjee SK. Aspirin blocks growth of breast tumor cells and tumor-initiating cells and induces reprogramming factors of mesenchymal to epithelial transition. Lab Invest. 2015 Apr 13. doi: 10.1038/labinvest.2015.49. [Epub ahead of print]


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