WHO-Bericht

Gesundheitsversorgung soll weltweit angeglichen werden

Remagen - 18.06.2015, 08:45 Uhr

Die WHO macht sich dafür stark, das weltweite Gesundheitsniveau anzugleichen. (Screen: WHO)

Die WHO macht sich dafür stark, das weltweite Gesundheitsniveau anzugleichen. (Screen: WHO)


Ein neuer Bericht von Weltgesundheitsorganisation und Weltbank zeigt, dass 400 Millionen Menschen auf der ganzen Welt keinen Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten haben. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen werden viele durch ihre Gesundheitsausgaben in Armut gestürzt. Der Report ist der erste seiner Art. In Zukunft sollen die Gesundheitssysteme in den Ländern und Regionen fortlaufend im Hinblick auf ihren Leistungsumfang und die finanzielle Abdeckung durch den Staat oder andere Träger bewertet werden. Ziele dieses Monitoring sind mehr Transparenz und eine Angleichung des weltweiten Niveaus der Versorgung.

Der aktuelle Bericht untersuchte im Jahr 2013 den globalen Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten, einschließlich Familienplanung, Schwangerenvorsorge, professioneller Geburtsbetreuung, Immunisierung von Kindern, antiretroviraler Therapie, Tuberkulose-Behandlung und des Zugangs zu Wasser und sanitären Anlagen.

Einige „Negativ-Highlights“ aus der Erhebung: In Schwarzafrika hat nur die Hälfte der Bevölkerung Zugang zu einer ordentlichen Vor-und Nachgeburtsversorgung, Leistungen, die in Ländern mit hohem Einkommen selbstverständlich sind. In allen Regionen außer der OECD-Gruppe, erhält meist nicht mehr als ein Drittel Zugang zu antiretroviralen Therapien. Etwas besser sieht es bei der Tuberkulosebehandlung aus.

Eigenanteil in ärmeren Ländern höher

Während sich die Ausgaben für die Gesundheit in OECD-Staaten mit hohem Einkommen, inklusive der wirtschaftlichen stärkeren Länder in Europa, im Jahr 2013 auf rund 3800 Euro beliefen, kommen schwächere europäische und zentralasiatische Länder, einschließlich Russland, der Ukraine und der Balkanländer lediglich auf 1300 Euro und afrikanische Länder südlich der Sahara auf nicht mehr als 263 Euro.

Die Verhältnisse kehren sich um, wenn es um den Eigenanteil der Menschen an diesen Ausgaben geht. Wohlhabende OECD-Bürger zahlen nur rund 18 Prozent der Gesundheitsausgaben selbst, Einwohner in wirtschaftlich schwächeren europäischen Ländern und Zentralasien 37 Prozent. Auf dem indischen Subkontinent und beispielsweise in Afghanistan muss sogar die Hälfte aus der eigenen Tasche beglichen werden. In 37 Ländern stürzt dies sechs Prozent der Bevölkerung in Armut oder weiter in extreme Armut.

Weckruf und Antrieb für Fortschritt

„Dieser Bericht ist ein Weckruf. Er zeigt, dass wir von der Erreichung einer universellen Gesundheitsversorgung, die die Menschen finanziell nicht über Gebühr belastet, noch weit entfernt sind“, stellt Dr. Tim Evans, Senior Direktor für Gesundheit, Ernährung und Bevölkerung der Weltbankgruppe in einer Pressemitteilung fest. Und der Direktor der Abteilung für Gesundheit, Statistik und Wirtschaftsinformatik bei der WHO, Dr. Ties Boerma, erläutert: „Der Bericht zeigt auch, dass es möglich ist, universelle Versorgungssysteme zu quantifizieren. So können wir die Fortschritte nun fortlaufend bewerten.“

Zum WHO-Report gelangen Sie hier.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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