Inko-Versorgung im Saarland

AOK: Apotheker fordern zu viel Vergütung

09.06.2015, 10:45 Uhr

Die AOK nimmt Stellung zum Aus des Vertrags mit dem Apothekerverein. (Foto: adrian_ilie825/Fotolia)

Die AOK nimmt Stellung zum Aus des Vertrags mit dem Apothekerverein. (Foto: adrian_ilie825/Fotolia)


Berlin – Die Diskussion über das Aus des Versorgungsvertrages für aufsagende Inkontinenzhilfen zwischen Apothekern und AOK im Saarland hält an: Aus Sicht der Krankenkasse waren die Vergütungserwartungen der Apotheker einfach zu hoch. „Die Vergütungsforderungen des Apothekervereins lagen bei gleichen Qualitätsstandards über dem angebotenen und wirtschaftlichen Abrechnungspreis anderer Leistungserbringer“, erklärt die Kasse gegenüber DAZ.online.

Mitte letzter Woche gab der Saarländische Apothekerverein bekannt, dass man sich mit der Kasse, die den bisherigen Vertrag zu Ende Juni gekündigt hatte, nicht auf einen neuen Vertrag habe einigen können – die vorgelegten Bedingungen der Kasse seien einfach „völlig inakzeptabel“ gewesen. Die Kritik des Verbands bezog sich dabei nicht allein auf die vorgesehene Pauschale, sondern auch auf andere im Vertragsentwurf enthaltene Regelungen, die aus Sicht der Verbands die Situation der Apotheker verschlechtert hätte. Angesichts der den betroffenen AOK-Versicherten drohenden Auf- und Mehrzahlungen verabschiede sich die Kasse zudem vom Sachleistungsprinzip.

Qualitätsstandards eingehalten

„Der von der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland mit mittlerweile über 200 Leistungserbringern geschlossene Vertrag über die Versorgung mit Inkontinenzhilfen gewährleistet weiterhin eine qualitativ hochwertige, aufzahlungsfreie Versorgung mit einer breiten Leistungserbringerauswahl für Versicherte und reduziert den Verwaltungsaufwand aller Beteiligten signifikant“, konstatiert hingegen die Kasse. Man habe sich vom Grundgedanken leiten lassen, „dass die Qualitätsstandards im Sinne der Versicherten eingehalten werden und sich unter dieser Bedingung für wirtschaftliche Angebote entschieden und eben nicht ausschließlich die preisgünstigsten Angebote ausgewählt“.

Die Vergütungsforderungen des Apothekervereins waren für die Kasse zu hoch – sie hätten bei gleichen Qualitätsstandards über dem angebotenen und wirtschaftlichen Abrechnungspreis anderer Leistungserbringer gelegen, erklärt die AOK. Weil man sich letztlich bei der Vergütung nicht habe einigen können, erklärt sie weiter, habe der Saarländische Apothekerverein sich entschieden, keinen Verbandsvertrag abzuschließen. „Selbstverständlich können – unabhängig von der Entscheidung des Verbands – alle Apotheken, die die gesetzlichen und vertraglichen Voraussetzungen erfüllen, dem neuen Vertrag für Inkontinenzhilfen beitreten.“

Es bleibt beim Sachleistungsprinzip

Nachdem der Verband das Aus für den Inko-Vertrag zwischen Kasse und Verband öffentlich gemacht hatte, kritisierte vergangene Woche auch die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann das Vorgehen der AOK: „Wer sich vom Sachleistungsprinzip verabschiedet, verabschiedet sich auch von Qualität und notwendiger Beratung“, warnte sie. Dem hält die AOK entgegen, dass es auch künftig dabei bleibe, dass die Versicherten die Leistungen aufzahlungsfrei von den Leistungserbringern erhielten. Versicherte, die über das Maß des Notwendigen hinausgehende Hilfsmittel wollten, müssten vom Leistungserbringer im Vorfeld über die Mehrkosten aufgeklärt werden. „Es bleibt also wie bisher bei einer Versorgung nach dem Sachleistungsprinzip.“


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