Großhandelstag

Großhändler wollen gehört werden

20.05.2015, 13:40 Uhr

Dr. Thomas Trümper: Die Situation für Großhändler ist nicht rosig. (Foto: Phagro)

Dr. Thomas Trümper: Die Situation für Großhändler ist nicht rosig. (Foto: Phagro)


Berlin - Die Apotheker sind nicht allein mit ihrer Feststellung, beim Honorar seit Jahren von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt zu sein. Dem Großhandel gehe es nicht anders, betonte Dr. Thomas Trümper, Vorsitzender des Bundesverbands des Pharmazeutischen Großhandels (Phagro), heute bei der Eröffnung des 7. Großhandelstages in Berlin. Die Situation für die Branche sehe keinesfalls rosig aus – aber wer behaupte, den Großhändlern ginge es besser, gäben sie den Apotheken nicht so hohe Konditionen, der habe keinen ausreichenden Marktüberblick, betonte er.

Die Belastungen für den Großhandel wachsen beständig – Beispiel Rabattverträge: Allein in ihrem Zusammenhang habe der Großhandel im vergangenen Jahr zusätzlich 65 Millionen Euro zusätzlich aufwenden müssen. Dies sei durch die Marge zweifelsfrei nicht gedeckt, so Trümper. Auch das gemeinsame Projekt securPharm – das von allen Partnern als gelungene Kooperation gesehen wird – erfordere in Vorleistung zu gehen. Das Mindestlohngesetz treffe die Branche im Bereich der Dienstleistungen ebenfalls hart.

Marge im Keller

Seit Jahren ertrage man „ohne Murren“, dass ohne weitere Vergütung mehr geleistet wird, erklärte Trümper. Doch diese Leistungsbereitschaft dürfe nicht ausgenutzt werden. Er verwies darauf, dass sich der Markt stark wandele – allerdings anders als der Gesetzgeber es erwartet habe. Dieser sei bei Einführung des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG) – mit der dem auch die Großhandelsvergütung umgestellt wurde – davon ausgegangen, dass jährlich fünf Prozent mehr Arzneimittelpackungen abgegeben würden. Tatsächlich liege die Zunahme nach vier Jahren AMNOG bei insgesamt nur 2,3 Prozent. Dabei habe sich die Zahl der Packungen mit einem Preis oberhalb der Kappungsgrenze um 63 Prozent erhöht. Die Marge ging für die Großhändler damit in den Keller – heute liege sie bei nur noch 4,6 Prozent.

Auch die Zunahme von Betäubungsmitteln um 22 Prozent und der Umsatzzuwachs von 34 Prozent Kühlprodukten – bei Kühlkettenprodukten sogar um 55 Prozent – belasteten die Kosten des Großhandels überproportional. Nicht zuletzt, da es sich die Großhändler nicht so einfach machten und den Apothekern erklärten, es sei zulässig, die Waren nachts in Warenschleuse zu stellen.

Gesetzgeber will Wettbewerb

Trümper will seinen Mitgliedsunternehmen nicht vorhalten lassen, sie gäben Apotheken zu hohe Rabatte. Er verwies darauf, dass der Gesetzgeber mit der in einen fixen und einen variablen Teil gesplitteten Vergütung Wettbewerb ausdrücklich zulassen wollte. Wenn man jetz aber Wettbewerb betreibe, würden die Kosten dagegen gerechnet – eine Logik, die sich dem Phagro-Chef verschließt.

Er unterstrich, dass der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren der wirtschaftlichen Entwicklung durchaus Rechnung getragen habe: Die Marktpartner Apotheker und Industrie seien jedenfalls teilweise entlastet worden. Ausgerechnet der kleinste Kostenfaktor im ganzen Räderwerk, der Großhandel, sei bisher aber stillschweigend übergangen worden. „Ich hoffe, das ändert sich“, so Trümper.

Gröhe würdigt Leistung, verspricht aber nichts

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), der erst nach den Worten Trümpers zu der Veranstaltung erschien, machte in seiner Rede allerdings keine Hoffnung. Zwar war es in der siebenjährigen Geschichte des Großhandelstags das erste Mal, dass ein Gesundheitsminister diesen besuchte, was durchaus als Würdigung zu verstehen ist. Gröhes Themen waren allerdings übergreifender, er sprach über die Gesundheitswirtschaft im Allgemeinen und über den Pharmadialog.

Er betonte, dass Lieferengpässe weiterhin ein Thema seien und dass man sich angesichts der in letzter Zeit immer wieder auftauchenden gefälschten Arzneimittel Gedanken mache, wie der Parallelvertrieb sicherer gemacht werden könnte. Der Großhandel, so Gröhe, leiste für die sichere Arzneimittelversorgung einen wichtigen Beitrag. Diese funktioniere – auch mithilfe der Apotheken – geräuschlos und bei Tag und bei Nacht. „Dies ist in der Welt wahrlich die Ausnahme“, so Gröhe.

Trümpers Replik: Er erinnerte Gröhe daran, dass das AMNOG stets als lernendes System betrachtet worden sei. Damit es lernen könne, müsse man aber aufpassen und zuhören. Auch wenn der Großhandel geräuschlos arbeite, sollte er von dem lernenden System noch gehört werden.  


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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