Pro Generika Podiumstalk

Eine Lanze für die Zuzahlung

23.04.2015, 10:55 Uhr

Zuzahlungen: Gewünscht oder ein Ärgernis? (Foto: ABDA)

Zuzahlungen: Gewünscht oder ein Ärgernis? (Foto: ABDA)


Berlin - Die Zahl der zuzahlungsbefreiten Arzneimittel ist nach aktuellen Berechnungen von Pro Generika auf unter 3.500 gesunken. Während Apotheker Patienten erklären müssen, warum sie nun wieder selbst zur Kasse gebeten werden, verweist der GKV-Spitzenverband darauf, dass es nun einmal keinen Anspruch auf zuzahlungsbefreite Arzneimittel gebe. Und der CDU-Politiker Michael Hennrich will sogar „eine Lanze für die Zuzahlung brechen“. Ein Stück Eigenverantwortung sei schließlich gewollt, erklärte er gestern bei einem Podiumstalk von Pro Generika.

Arzneimittelhersteller, die mit ihrem Preis 30 Prozent unter Festbetrag gehen, können ihre Präparate zuzahlungsfrei anbieten – das kann durchaus ein Wettbewerbsvorteil sein, wenn man auf Masse setzt und so die Produktionskosten gering hält. Doch immer wieder senkt der GKV-Spitzenverband Festbeträge ab. Wer weiterhin 30 Prozent günstiger sein will, muss gut kalkulieren. Dass die Zahl der zuzahlungsbefreiten Arzneien sinkt, sei also kein Sinneswandel, sondern dem Kellertreppeneffekt geschuldet, erklärte Wolfgang Späth, Vorsitzender von Pro Generika und Head Strategy, Portfolio & Market Development Hexal AG. Er verwies darauf, dass es einmal Ziel der Politik gewesen sei, rund 20 Prozent der Arzneimittel zuzahlungsfrei zu stellen – davon sei man mittlerweile weit entfernt.

Für Hennrich ist das allerdings kein Problem. Es sei der Politik nicht um möglichst viele Zuzahlungsbefreiungen gegangen, sondern darum, Preisdynamik zu entwickeln. Und das hält er für gelungen. Zuzahlungen seien überdies kein per se schlechtes Instrument. Hätten die Kassen die Einnahmen aus den Patientenzuzahlungen nicht, müssten sie vielleicht ihre Beiträge erhöhen. Ohnehin hält Hennrich einiges von einer Selbstbeteiligung der Patienten aus Steuerungsgründen: So sei es auch ein großer Fehler der großen Koalition gewesen, die Praxisgebühr abzuschaffen. Jetzt zeige sich wieder die „Vollkaskomentalität“ einiger Patienten. Jedoch räumte der CDU-Bundestagsabgeordnete ein, dass bei Generika „jetzt wohl der Boden erreicht ist“. Mit Blick auf die schwindende Anbietervielfalt sei dies nun ein Thema für „unsere Häuptlinge“ im Pharma-Dialog.

Becker: Problematische Arztsoftware

Der DAV-Vorsitzende Fritz Becker bestätigte, dass es immer wieder zu Problemen in Apotheken komme, wenn für Patienten plötzlich für ihr lange zuzahlungsfreies Arzneimittel zur Kasse gebeten werden. Die gleiche Diskussion gebe es, wenn ein zuzahlungsbefreites Rabattarzneimittel nicht lieferbar ist und auf ein anderes Präparat ausgewichen werden muss, für das jedoch eine Zuzahlung fällig wird. Becker räumt ein, in solchen Fällen durchaus in seiner Apotheke nachzugeben: „Dann lassen wir die Patienten auch mal laufen.“ Viel geholfen wäre aus Sicht des DAV-Vorsitzenden bereits mit einer besseren Arztsoftware. Diese hänge dem aktuellen Stand oft ein halbes Jahr hinterher. Was dem Arzt noch als zuzahlungsbefreit angezeigt wird, muss es in der Praxis nicht mehr sein.

Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, erklärte, sein Verband habe bei seinen Festbetragsentscheidungen die Zuzahlungen durchaus im Auge. Es gehe aber darum Rationalisierungsreserven zu heben – am Ende sei es immer noch der Hersteller, der den Preis festsetze. Die Festbeträge hätten sich in den letzten Jahren als Erfolgsmodell erwiesen. Auch wenn es seit einiger Zeit die Zuzahlungsbefreiungsmöglichkeit gebe: Ein Anspruch der Patienten auf zuzahlungsfreie Arzneimittel gebe es nicht.

 


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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