Zehn Jahre Aktionsbündnis Patientensicherheit

APS fordert mehr Unterstützung

16.04.2015, 15:15 Uhr

Selbst Operationsbesteck bleibt gelegentlich versehentlich im Patienten zurück. (Bild: Kzenon/Fotolia.com)

Selbst Operationsbesteck bleibt gelegentlich versehentlich im Patienten zurück. (Bild: Kzenon/Fotolia.com)


Berlin - Fehler passieren – auch in der Medizin. So sterben einer Schätzung zufolge in Deutschland jedes Jahr 600 bis 700 Patienten, weil im Krankenhaus nach einer Operation Tupfer und andere Materialien in ihren Körpern vergessen werden. Dies ist nur ein Beispiel, auf das das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) anlässlich seiner Jahrestagung hinweist. In einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse erklärten 15 Prozent der Befragten, dass es bei ihnen in den letzten zehn Jahren einmal zu einem vermuteten Fehler bei einer medizinischen Untersuchung oder Behandlung gekommen ist. Drei Prozent schätzen, dass es sogar mehrmals zu einem Fehler gekommen sein könnte.

Sei es ein falsch verordnetes Arzneimittel, die Operation am falschen Bein oder der vergessene Tupfer: Fehler in der Medizin sind lange totgeschwiegen worden. Gerade in einem so heiklen Bereich wie der Gesundheit will niemand etwas falsch machen. Doch Menschen machen Fehler – und oft sind diese mit einfachen Maßnahmen vermeidbar. Doch wer sich Fehler nicht eingesteht, nicht darüber spricht, wird kaum aus ihnen lernen. Das APS hat sich 2005 nicht zuletzt gegründet, um hierzulande eine Fehlerkultur zu etablieren: Es setzt sich für eine sichere Gesundheitsversorgung ein und widmet sich der Erforschung, Entwicklung und Verbreitung dazu geeigneter Methoden.

Bei der Schätzung zu den OP-Gegenständen beruft sich das APS auf mehrere Studien und Umfragen. Insgesamt bleiben demnach in Deutschland jährlich bis zu 3000 Fremdkörper wie Tupfer und Bauchtücher nach einem Eingriff unbeabsichtigt im Körper von Patienten. Das APS forderte strengere Regeln und deren Einhaltung bei den Zählkontrollen der OP-Materialien.

Gröhes Pläne gegen multiresistente Keime

Francois-Kettner sagte, oft gingen im deutschen Gesundheitswesen ökonomische Interessen vor – das Patientenwohl werde dagegen zu wenig berücksichtigt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe verwies unter anderem darauf, dass konkrete Schritte gegen gefährliche Krankenhauskeime geplant seien – derzeit stürben in Deutschland pro Jahr zwischen 10.000 und 15.000 Menschen in Kliniken, weil sie sich dort mit multiresistenten Keimen infizieren. „Jeder nachgewiesene Erreger muss künftig gemeldet werden“, kündigte Gröhe an.

Francois-Kettner machte auf mehrere Missstände aufmerksam. So gebe es zu wenig Klarheit über Probleme und Fortschritte, die es durch Empfehlungen und Aufklärung gebe. „Wir wissen nicht, wie viele Fehler wir wirklich reduzieren.“ Vor allem aber fehle es an stärkeren Institutionen für mehr Patientensicherheit. „Wir müssen erkennen, dass ein gemeinnütziger Verein Grenzen hat.“ Im APS sind unter anderem Mediziner, medizinische Gesellschaften, Kliniken und Krankenkassen Mitglied. Für seine Arbeit ist der Verein auf Spenden angewiesen.

Der Bundesrat forderte Anfang Februar, dass die Kassen Einrichtungen zur Verbesserung der Patientensicherheit künftig mit insgesamt bis zu 500.000 Euro jährlich fördern. Die Bundesregierung wird dem Vorstoß dem Vernehmen nach nicht folgen, was Francois-Kettner gegenüber Gröhe bedauerte. Das APS fordert seinerseits feste Strukturen für den Ausbau und die Förderung der nationalen Programme für mehr Patientensicherheit – verbunden mit einer ausreichenden und langfristigen Finanzierung.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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