Diskussion hält an

Masern: Impfpflicht oder -beratung?

13.04.2015, 08:50 Uhr

Hohe Erkranktenzahl: Dis Diskussion um eine Masern-Impfpflicht hält an. (Foto: M. Rosenwirth/Fotolia)

Hohe Erkranktenzahl: Dis Diskussion um eine Masern-Impfpflicht hält an. (Foto: M. Rosenwirth/Fotolia)


Berlin – Angesichts der nach wie vor hohen Zahl an Masern-Erkrankungen hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe Verweigerern mit einem Impfzwang gedroht. Nicht impfen sei verantwortungslos, sagte er. „Wir müssen auch der Panikmache einiger Impfgegner entgegentreten.“ Der CDU-Politiker erläuterte: „Wer ohne medizinische Notwendigkeit seinem Kind den Impfschutz verweigert, schadet nicht nur diesem Kind, sondern auch Kindern, die zum Beispiel zu klein sind, um geimpft zu werden, oder Kindern, die tatsächlich aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.“

Weitergehende Schritte wie das Thema Impflicht dürften kein Tabu sein, bekräftigte Gröhe. „Wir werden diese Fragen sorgfältig, aber konsequent im Rahmen der jetzt anstehenden parlamentarischen Beratungen zum Präventionsgesetz debattieren und dann entscheiden.“ In Bayern stößt er damit auf Zustimmung. Der Freistaat setze zwar vor allem auf Beratung und Aufklärung, um die Menschen zur Impfung zu bewegen, sagte Landesgesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). „Falls dies aber nicht ausreicht, darf die Möglichkeit einer Impfpflicht bei Masern nicht ausgeschlossen werden. Denn es geht auch um das Wohl der Allgemeinheit.“

Australien plant einem Medienbericht zufolge, jenen Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, Sozialleistungen zu entziehen. Laut „Sydney Morning Herald“ will Sozialminister Scott Morrison die Regeln etwa für Steuervergünstigungen und Hilfen zur Kindesbetreuung verschärfen. Wer solche Hilfen suche, dürfe nicht länger Einwände gegen Impfungen aus Gewissensgründen vorbringen. Dem Bericht zufolge reichten Eltern Zehntausender Kinder solche Einwände ein, aus persönlichen, philosophischen, religiösen oder medizinischen Gründen. Auch in Australien haben Ausbrüche von Masern, Keuchhusten und anderer vermeidbarer Erkrankungen eine Impfdebatte entfacht.

RKI-Präsident gegen Impfpflicht für alle

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sprach sich indes gegen eine dauerhaft geltende Masern-Impfflicht aus. „Es kann Situationen geben, in denen man zeitlich und räumlich beschränkt über so etwas nachdenkt“, sagte Wieler den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. Langfristig sei es sinnvoller, zu freiwilligen Impfungen zu animieren. „Wir müssen die Menschen zum Impfen motivieren und aktiver auf die Bevölkerung zugehen, vor allem auf die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die ja eher selten zum Arzt gehen.“

Vor allem bei jungen Erwachsenen habe Deutschland ungenügende Masern-Impfquoten. „Wir erreichen bei Weitem nicht die Ziele der Weltgesundheitsorganisation WHO“, so Wieler. „In Deutschland gab es im letzten Jahr 20 Mal so viele Neuinfektionen, wie bei den Plänen für eine schrittweise Ausrottung der Krankheit vorgesehen.“ Sie war im Oktober in Berlin in größerem Umfang ausgebrochen, seitdem wurden dort mehr als 1000 Fälle gemeldet. In Thüringen wurden mindestens 80 Fälle registriert, besonders in Erfurt, und in Bayern 75.


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