Meinungsbild

Deutliche Skepsis gegenüber TTIP in Deutschland

Berlin - 23.02.2015, 14:37 Uhr


Die deutliche Skepsis der deutschen Apothekerschaft gegenüber dem geplanten Freihandelsabkommen zwischen EU und USA entspricht der Einstellung der Mehrheit der deutschen Bevölkerung zu TTIP. Laut aktuellem Eurobarometer ist die Bevölkerung in 25 EU-Ländern zwar mehrheitlich für das Abkommen – aber in Deutschland, Österreich und Luxemburg sind die Gegner in der Überzahl.

In regelmäßigen Abständen lässt die EU-Kommission die öffentliche Meinung in den Ländern der EU erfragen – durch immer gleiche Standardfragen sowie wechselnde Fragen zu verschiedenen Themen. Diese repräsentative Umfrage soll der Beobachtung und Herausbildung der Meinungsentwicklung innerhalb der europäischen Bevölkerung dienen. Die Ergebnisse werden im Eurobarometer veröffentlicht. Laut der aktuellen Version aus dem Herbst 2014 sind insgesamt 58 Prozent der EU-Bürger für das geplante Freihandelsabkommen, jeder Vierte ist dagegen.

In Deutschland gibt es mehr Gegner als Befürworter. Während 20 Prozent der Befragten keine Position zum geplanten Abkommen haben, sind 41 Prozent dagegen und 39 Prozent dafür. Vor allem die Babyboomgeneration (Jahrgänge 1946 bis 1964) und die darauf folgende „Generation X“ (1965 bis 1980) stehen TTIP mit 44 Prozent und 43 Prozent ablehnend gegenüber. Unter der jüngsten Befragtengruppe (ab 1981) sind 41 Prozent für TTIP und 39 Prozent dagegen. Gleichzeitig steigt die Ablehnung des Abkommens mit dem Bildungsgrad. Und es zeigt sich, dass die Ablehnung in den Großstädten ausgeprägter ist als auf dem Land.

Ähnlich skeptisch wie die Deutschen sind außerdem die Österreicher (53%) und Luxemburger (43%). Befürworter eines Freihandelsabkommens mit den USA sind vor allem Litauer (79%), Malteser (75%), Rumänen (75%), Niederländer (74%), Polen (73%), Esten (72%), Dänen (71%) und Iren (71%). In den übrigen EU-Ländern finden sich dem Barometer zufolge ebenfalls Mehrheiten für ein Handelsabkommen zwischen EU und USA.

Einordnung beim ApothekenRechtTag

Das Freihandelsabkommen ist auch Thema beim diesjährigen ApothekenRechtTag, der am 6. März im Rahmen der Interpharm in Hamburg stattfinden wird. Prof. Dr. Hilko J. Meyer von der Frankfurt University of Applied Sciences wird in seinem Vortrag darauf eingehen, wie die TTIP-­Verhandlungen juristisch einzuordnen sind und wie die praktischen Aus­wirkungen auf die Standards des deutschen und europäischen Apotheken- und Arzneimittelrechts einzuschätzen sind. Hier gelangen Sie zum kompletten Programm des ApothekenRechtTags.


Juliane Ziegler


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