Gespräch mit dem neuen HAV-Vorsitzenden

Weidemann: „Unser Können, unsere Tatkraft nutzen“

Berlin - 04.02.2015, 17:41 Uhr


Geboren wurde er in Hamburg. Dort hat er auch Pharmazie studiert und als Praktikant bei Dr. Jörn Graue gelernt. Seine politischen Sinne geschärft hat der 61-jährige im Umfeld der Hamburger Bürgerschaft, nicht nur im Straßenwahlkampf für eine große Volkspartei. Später hat er in einer Klinikapotheke, in der pharmazeutischen Forschung und als Unternehmensberater gearbeitet. Seit sieben Jahren führt er in Wiesbaden die Sonnen-Apotheke. Seit Januar ist Dr. Detlef Weidemann neuer Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes – kein Quereinsteiger, aber ein Querdenker, der mit neuen Ideen alte Traditionen weiterentwickeln will.

„Die Zeit der einsamen Kapitäne, die Zeit von Pose und Pathos ist vorbei. Ich möchte den HAV zu einem Mitmach-Verband entwickeln“, lautet das Motto von Detlef Weidemann. Was er sich darunter genau vorstellt, darüber sprach DAZ.online mit dem neuen HAV-Chef.

„Ich glaube, auch in der Apothekerschaft vollzieht sich ein Generationenwandel. Ich persönlich empfinde mich zwar als recht konservativen Menschen. Aber um uns herum wandeln sich die Einstellungen. Die Menschen möchten sich gerne in die Gesellschaft einbringen. Aber nur noch für einzelne, bestimmte Projekte und überschaubare Zeiträume statt für Organisationen an sich. Gleichzeit spielt das Privat- und Familienleben eine größere Rolle. Das trifft auch auf die Apothekerschaft zu. Wir müssen daher auch im HAV neue Formen der Beteiligung, der Mitsprache und der Kommunikation finden“, erläuterte Weidemann seine Sicht.

Apothekerinnen und Apotheker seien eine „hoch leistungsfähige, sehr gut ausgebildete Berufsgruppe“. Dazu brächten sie Mut zur Selbstständigkeit mit dazugehörigem Engagement und  Risikobereitschaft mit. Das sei ein enormes Potenzial. „Ich möchte meine Kolleginnen und Kollegen nicht nur zu Adressaten von HAV-Botschaften machen, sondern zu Mitmachern. Wir können gar nicht genug Ideen unserer Mitglieder aufnehmen, um unsere Berufspolitik weiter zu entwickeln“, so Weidemann.

Projektgruppen für Interessierte

Als erstes möchte der neue HAV-Vorsitzende Projektgruppen einrichten, in denen Interessierte mitmachen können. Diese Projektgruppen sollen sich mit der Modernisierung der Kommunikation befassen. Gegenwärtig kommuniziere der HAV mit seinen Mitgliedern hauptsächlich noch über Faxe, „eine eher überholte Technik ohne jede Dialogfähigkeit“. Da müsse sich etwas ändern.

Die zweite Projektgruppe solle sich mit der Demographiewelle befassen. Das Durchschnittsalter der hessischen Apothekenleiter liege bei fast 56 Jahren. Viele Inhaber müssten und wollten ihre Apotheke in den nächsten Jahren als Teil ihrer geplanten Altersvorsorge verkaufen. In der Nachfolgegeneration aber warteten überwiegend Frauen mit ganz anderen Lebensentwürfen. „Das passt so nicht auf Anhieb zusammen. Darum müssen wir uns kümmern“, so Weidemann.

Auf den Prüfstand stellen will Weidemann die Arbeit des HAV, der müsse noch näher an die Mitglieder heranrücken, „aktiv erkunden wo Apothekern der Schuh drückt“. Er werde daher  Ende Februar den Vorstand und hauptamtliche Mitarbeiter zu einer Klausurtagung einladen. „Dort wollen wir auch über die Aufgaben eines Verbandes diskutieren und die dazu nötigen Haushaltsmittel sprechen. Ich möchte das breit zur Diskussion stellen“, so Weidemann.

Im Verhältnis zur ABDA in Berlin werde er schon mal „gegen den Strich bürsten“ und mit der HAV-Arbeit positive Beispiele und Anregungen geben.

Das vollständige Interview mit Dr. Detlef Weidemann lesen Sie in der aktuellen DAZ Nr. 6, S. 16


Lothar Klein


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