NDR-Apothekentest

ABDA: Apotheker entscheiden unabhängig

Berlin - 03.02.2015, 14:14 Uhr


Für ihren gestern ausgestrahlten Apotheken-Beratungstest zu Halsschmerzen hatte sich die Wirtschaftsredaktion des NDR im Vorfeld auch an die ABDA gewandt: Warum empfehlen Apotheken so häufig Dobendan®? Welche Rolle spielen Marketingmaßnahmen der Hersteller bei der Empfehlung? Sollten Apotheker nicht eher Hustenbonbons und Salbeitee empfehlen? In ihrer Antwort an die Redaktion verwies die ABDA auf die BAK-Leitlinie zur Beratung in der Selbstmedikation – und betonte, dass jeder Apotheker unabhängig über die Auswahl eines Arzneimittels entscheide.

Die Stiftung Warentest beurteile Dobendan® Direkt und Dolo-Dobendan® als „wenig geeignet“ – wieso also wurden die beiden Präparate in der Stichprobe von den Apothekern dennoch so häufig empfohlen, fragte „Markt“. Und sollten Apotheker nicht auf fehlende Studien und mögliche Allergieauslöser hinweisen? Wie kommt es, dass Dobendan®-Produkte im Jahr 2014 bundesweit den größten Umsatz unter den freiverkäuflichen Medikamenten gegen Halsschmerzen ausmachten – welche Rolle spielen dabei Werbung, Marketing und Rabatte der Hersteller? Für wie sinnvoll hält die ABDA die Empfehlung von Lemocin®? Und wäre es nicht wünschenswert, dass Apotheker auf das Lutschen von Bonbons und das Trinken von Salbeitee als wirkungsvolle Alternative hinweisen?

Keine generalisierbaren Aussagen

Gerade bei so kleinen Stichproben wie der der „Markt“-Redaktion müsse man davon ausgehen, dass sie „keine generalisierbaren Aussagen erlauben“, führten ABDA-Pressesprecher Reiner Kern und seine Stellvertreterin Ursula Sellerberg in ihrer Antwort zunächst aus. Natürlich hätten die Berufsorganisationen der Apotheker ein hohes Interesse daran, dass in den Apotheken vor Ort gut beraten und die Beratungsqualität kontinuierlich gesteigert werde. „Aber bei mehr als 20.000 Apotheken mit 150.000 Mitarbeitern und ca. 4 Mio. Patientenkontakten täglich können wir natürlich nicht garantieren, dass jeder einzelne Beratungsfall zur Zufriedenheit verläuft.“ Schon deshalb nehme man jede Form von Kritik ernst – auch und gerade Testkäufe durch Dritte.

Dobendan ein zugelassenes Arzneimittel

Mangels genauerer Informationen zum konkreten Szenario könne man zum Testkauf des NDR allerdings nur kursorisch Stellung nehmen: Grundsätzlich könnten Bonbonlutschen oder Teetrinken zu einer subjektiven Linderung der Beschwerden beitragen. Wenn Patienten es aber wünschten, könnten auch Arzneimittel eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang weisen Kern und Sellerberg auf die Leitlinie der Bundesapothekerkammer (BAK) zur Beratung in der Selbstmedikation am Beispiel Halsschmerzen hin. Die von den Apotheken abgegebenen Dobendan®-Präparate seien rezeptfreie Arzneimittel, die vom BfArM zur (kurzzeitigen) Behandlung schmerzhafter Entzündungen der Rachenschleimhaut bzw. gegen Halsschmerzen zugelassen seien. Bei Fragen zu einzelnen Fertigarzneimitteln solle sich die Redaktion an die jeweiligen Hersteller wenden.

Apotheker beraten unabhängig

Dazu, dass bei zehn Apothekentests zehn Dobendan®-Produkte verkauft wurden, und auch zur Frage, welchen Einfluss die Marketingmaßnahmen des Herstellers hat, äußert sich die ABDA in ihrer Stellung­nahme nicht direkt. Stattdessen betont sie: „Über die Auswahl eines konkreten Fertigarzneimittels entscheidet der Apotheker im Einzelfall unabhängig. Zu den Einkaufskonditionen einzelner Apotheken liegen uns keine Informationen vor. Einige Fertigarzneimittel werden stark beworben. Welchen Einfluss das Marketing auf Patientennachfragen und damit in der Folge auf die Vorratshaltung von Apotheken hat, können wir nicht beurteilen.“ Bei Fragen dazu solle sich die NDR-Redaktion ebenfalls direkt an den Hersteller wenden.


Juliane Ziegler


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