Arzneimittelfälschungen

Roche: Importförderung hat sich überholt

Berlin - 22.01.2015, 17:25 Uhr


Roche-Vorstand Dr. Hagen Pfundner liegt mit den Apothekern ganz auf einer Linie, wenn es um die Forderung geht, die Import-Förderklausel abzuschaffen. Diese in der EU einzigartige Regelung habe sich überholt, meint er. Die anfänglichen Milliarden-Einsparungen hätten sich mittlerweile auf unter 100 Millionen Euro im Jahr reduziert. Dafür entfalte die Regelung für Apotheken eine „unglückliche Sogwirkung“, die die steigende Zahl von Arzneifälschungen in Europa begünstigen könnte.

Letztes Jahr sorgten die Arzneimitteldiebstähle in Italien und der Umstand, dass die Ware nicht zuletzt bei in Deutschland ansässigen Arzneimittelimporteuren auftauchte, für eine Diskussion um den Arzneimittelimport. Ist er ein Einfallstor für Fälschungen? Bei der ABDA sieht man dies durchaus so. Beim letzten Deutschen Apothekertag in München forderte sie daher den Verzicht auf die Importförderungsklausel.

Pfundner – selbst Pharmazeut – kann dies nur unterstützen. Dabei betont er, dass sich Roche mit dieser Forderung keinesfalls gegen den freien Warenverkehr in der Europäischen Union stelle. Aber im Bereich der Arzneimittel gebe es Besonderheiten, die auch in der EU beachtet werden sollten. Er betonte, dass Italien kein Einzelfall gewesen sei. Im letzten Jahr hätten sich die Fälschungsverdachtsfälle bei Arzneimitteln verdoppelt. Dabei gehe es etwa auch um Ware rumänischer, bulgarischer oder tschechischer Herkunft.

Dabei agierten hoch organisierte Netzwerke, die kurzfristig Firmen in unterschiedlichen Ländern gründeten, um für den Transport von Land zu Land zu sorgen. Auch Roche ist immer wieder betroffen – insbesondere seine monoklonalen Antikörper Avastin, Herceptin und MabThera sind bei Fälschern beliebt. Denn obwohl das Unternehmen bereits einiges für die Sicherheit seiner Produkte unternimmt – und noch mehr plant –, lassen sich kriminelle Machenschaften nie ganz verhindern.

Importeure in der Kritik

Ausfindig machen die Fälschungen dann oft die Importeure hierzulande – der Verband der Arzneimittelimporteure Deutschlands (VAD) führt dies als Argument für ihre Branche an. Pfundner hingegen findet dies besorgniserregend: Die Importeure meldeten die Fälschungen schließlich deshalb, weil sie ihre Ware offensichtlich aus dubiosen Quellen beziehen. Der Importeur müsse niemandem nachweisen, woher er seine Ware beziehe.

Angesichts der schwindenden Einsparungen, die die Importe einbringen – schließlich zeigen die Maßnahmen des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes ihre Wirkung – werde es für Apotheken auch immer schwieriger, die Importquote zu erfüllen. Dabei müssten sie sich zunehmen auf High-Tech-Präparate fokussieren. 40 Prozent des importfähigen Marktes machten mittlerweile hochpreisige Antirheumatika, Zytostatika aus ZNS-Therapeutika aus. Und nicht zuletzt diese Arzneimittel werden bei den Fälschern wegen der hohen Margen immer beliebter.

Doch bei der Politik kommt die Forderung nach Verzicht auf die Importförderung bislang kaum an. Diese Zurückhaltung bedauert Pfundner sehr. Er werde das Thema aber weiter einbringen – auch an passender Stelle im ressortübergreifenden Pharma-Dialog.


Kirsten Sucker-Sket


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