Schlaganfall

Fehlendes Wissen verhindert oft schnelle Hilfe

Schladming - 20.01.2015, 14:22 Uhr


Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und der häufigste Grund für eine Behinderung im Erwachsenenalter. Trotzdem halten immer noch viele Menschen den Schlaganfall für nicht besonders gefährlich und kennen auch seine Symptome nicht. Hier könnten auch Apotheken einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung leisten, betonte Professor Dietmar Trenk auf dem Pharmacon in Schladming.

Professor Trenk, Klinischer Pharmakologe am Herzzentrum Bad Krozingen der Uni Freiburg, beklagt große Wahrnehmungsprobleme, was den Schlaganfall betrifft: Bei einer Umfrage in den USA konnten nur 30 Prozent der Befragten drei Symptome eines Schlaganfalls nennen, ebenfalls 30 Prozent waren der Ansicht, dass ein Schlaganfall nicht besonders gefährlich sei. Dazu komme, dass rund die Hälfte der US-Amerikaner denkt, es gebe keine Therapie. Das alles führt dazu, dass nur 15 Prozent der Befragten den Notarzt alarmieren würden, wenn sie Symptome eines Schlaganfalls beobachten. Es gebe keinerlei Veranlassung zu glauben, dass die Situation in Deutschland besser sei, betonte Trenk.

Besonders alarmierend seien diese Ergebnisse, da gerade beim Schlaganfall jede Minute zählt. Je schneller eine Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall) mittels CT ausgeschlossen werde, desto schneller könne mit der Lyse des Thrombus begonnen werden. „Time is Brain, Zeit ist Gehirn“, betont Trenk. Je früher mit der Lyse begonnen wird, desto kleiner die Hirnschädigung und damit auch die Folgen für den Patienten.

„FAST“ – denn „Time is Brain“

Wie erkennen Sie einen Schlaganfall? Häufige Symptome sind starker Kopfschmerz, Schwindel mit Gangunsicherheit, Sehstörungen, Sprach- und Sprachverständnisstörungen, Lähmungen und Taubheitsgefühle. Mit dem einfach durchzuführenden FAST-Test lassen sich diese Symptome sehr schnell überprüfen. FAST steht dabei für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprechen) und Time (Zeit):

Face (Gesicht): Fordern Sie den Betroffenen auf zu lächeln. Bei einer Halbseitenlähmung nach Schlaganfall ist das Gesicht dabei einseitig verzogen.

Arms (Arme): Bitten Sie den Betroffenen, beide Arme mit den Handflächen nach oben auszustrecken. Können nicht beide Arme gehoben werden oder wenn sie sich drehen oder wieder absinken, deutet das auf einen Schlaganfall hin.

Speech (Sprechen): Bitten Sie den Betroffenen, Ihnen einen einfachen Satz nachzusprechen. Gelingt dies nicht oder nur verwaschen, ist das ein Alarmzeichen.

Time (Zeit): Sollte der Betroffene eines der genannten Probleme zeigen, rufen Sie sofort den Notarzt und schildern Sie die Symptome.


Dr. Benjamin Wessinger


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