Studie bei Mäusen

Sport hält das Gehirn fit

Berlin - 12.01.2015, 16:08 Uhr


Sport hat einen äußerst positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit: Er hebt die Stimmung, erhöht die Stressresistenz, verbessert das Gedächtnis und verlangsamt den Rückgang von kognitiven Fähigkeiten mit dem Alter. Dies nimmt man schon länger an – jetzt bestätigen es auch Studien, etwa eine von Wissenschaftlern der Universität Göttingen. Allerdings wurde diese an Mäusen durchgeführt. Es spreche aber vieles dafür, dass sich die Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen, sagt die Neurobiologin und Studienleiterin Prof. Siegrid Löwel.

Studien mit Nagern zeigen, dass körperliche Betätigung intrinsisch belohnend wirkt: Haben die Nager Zugang zu einem Laufrad, rennen sie freiwillig viele Kilometer pro Tag. Die Wissenschaftlerinnen der Universität Göttingen haben nun herausgefunden, dass freiwilliges Rennen den Zeitraum jugendlicher Anpassungsfähigkeit im Gehirn bis ins Erwachsenenalter verlängern kann. Die Studie wurde jetzt im „Journal of Neuroscience“ veröffentlicht.

Werden die Mäuse in sogenannten Standardkäfigen aufgezogen, nimmt eine bestimmte Form der Anpassungsfähigkeit neuronaler Schaltkreise in der Sehrinde (Plastizität) mit dem Alter ab und ist bei über 110 Tage alten Tieren nicht mehr nachweisbar. „Hatten die Mäuse jedoch ein Laufrad im Käfig, zeigten sie diese Art von Plastizität sogar bis zu einem Alter von mindestens 242 Tagen. Interessanterweise zeigte die Sehrindenplastizität bei den erwachsenen ,Laufrad‘-Mäusen die gleichen Charakteristika wie bei jungen Mäusen“, so Studienleiterin Löwel.

Außerdem konnte diese Art jugendlicher Anpassungsfähigkeit in der Studie sogar bei erwachsenen Mäusen in einem Alter wiederhergestellt werden, in dem die Sehrindenplastizität üblicherweise nicht mehr vorhanden ist. „Wenige Tage freiwilliges Training im Laufrad waren genug, um die plastischen Veränderungen im Gehirn wieder zu ermöglichen. Das zeigt uns, dass es niemals zu spät ist, um von sportlicher Betätigung zu profitieren“, erklärt Studienautorin Dr. Franziska Greifzu.

Dass Sport Vorteile für die psychische Gesundheit biete, sei aus dem Praxis seit längerem bekannt, sagt Löwel. „Jetzt kommen nach und nach die Ergebnisse aus der Hirnforschung dazu, die dies bestätigen.“ Auch beim Menschen gibt es ähnliche neurobiologische Untersuchungen. So hat eine frühere US-Studie gezeigt, dass Ausdauersport eine für das Gedächtnis wichtige Hirnregion, den Hippocampus, vergrößern kann. Forscher um Krik Erickson von der University of Pittsburgh hatten 120 Erwachsene zwischen 55 und 80 Jahren untersucht.

Quelle: Evgenia Kalogeraki, Franziska Greifzu, Franziska Haack und Siegrid Löwel (2014) Voluntary physical exercise promotes ocular dominance plasticity in adult mouse primary visual cortex. Journal of Neuroscience. 34(46): 15476-81. DOI: 10.1523/JNEUROSCI.2678-14.2014


DAZ.online/dpa


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