Wieviel Kaufmann darf im Apotheker stecken?

Kooperationsapotheken kontern Pharmazieräten

Berlin - 09.01.2015, 16:07 Uhr


Für Dr. Christian Bauer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Pharmazieräte in Deutschland, liegt die Zukunft der Apotheker in der Pharmazie, nicht im Kaufmännischen. „Den Kaufmann Apotheker braucht die Gesellschaft nicht“, erklärte er unlängst im DAZ-Interview. Dieser Aussage tritt nun Dr. Stefan Hartmann, Vorsitzender des Bundesverbands der Apothekenkooperationen entgegen. Er ist überzeugt: Nur betriebswirtschaftlich erfolgreiche Apotheken können in ihre Mitarbeiter und damit in die Qualität des pharmazeutischen Heilberufs investieren.

Mit seiner Aussage, den Kaufmann Apotheker brauche die Gesellschaft nicht, habe Bauer bei vielen Apothekern und auch beim BVDAK großes Unverständnis ausgelöst, lässt Hartmann in einer Pressemeldung verlauten. Denn aus seiner Sicht ist der Beruf des niedergelassenen, selbstständigen Apothekeninhabers ohne kaufmännische Fähigkeiten undenkbar.

Apothekenkooperationen seien in den letzten zehn Jahren deshalb so erfolgreich, weil sie den einzelnen Mitgliedern betriebswirtschaftliche Hilfestellung im Einkauf, Marketing oder anderen Bereichen böten, sagt Hartmann. Wer das verdränge, verbreite ideologische Legenden und blicke in die Vergangenheit, nicht in die Zukunft.

Zugleich stellt Hartmann klar, dass die Selbstkontrolle des freien Heilberufs durch Pharmazieräte und Amtsapotheker ein „absolut notwendiges Instrument“ sei, um die Qualität der Apothekenleistung zu sichern. Zu Recht geschehe sie nicht durch den Staat. Und ganz überwiegend funktioniere diese Aufgabe im kollegialen Einvernehmen. Doch es gebe auch Ausnahmen. Dann, so Hartmann, werde die Aufsicht zum „berufsrechtlichen Exerzierplatz“. Und gegen ein „politisches Mandat der Kontrolleure durch die Hintertür“ wende sich der BVDAK entschieden. Die Pharmazieräte dürften nicht über die kaufmännischen Aufgaben eines Inhabers entscheiden – dafür fehle ihnen auch jegliche demokratische Legitimation.

Lesen Sie hier das DAZ-Interview mit Dr. Christian Bauer: Einheitliche Überwachung wichtig in DAZ 2014, Nr. 50, S. 52


Kirsten Sucker-Sket


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