Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

04.01.2015, 08:00 Uhr


Wann wird 2015 ein gutes Jahr? Na klar, wenn man die drei A-Tipps der ABDA (ablenken, aufschieben, ausweichen) nicht befolgt! Also: Sich nicht ablenken lassen, nichts aufschieben und keinem Problem ausweichen. Und das ist bitter nötig, denn Probleme gibt es genug, wie auch der Präsident in seinem Neujahrsschreiben richtig anmerkt. Und so steigen wir wieder ein in ein neues Jahr, voller Hoffnung und Optimismus. Mein liebes Tagebuch, ich hätte da auch ein paar Fragen zum Neuen Jahr...

29. Dezember 2014

Ach ja, ABDA. Die Pressemitteilung, die unsere Berufsorganisation mal eben so am Jahresende rausgeklopft hat, offenbart irgendwie das Desaster, in dem wir Apotheker mit unserem Bemühen für eine bessere öffentliche Wahrnehmung stecken: Alles gut gemeint, aber schlecht gemacht. In der Pressemitteilung empfiehlt ein Vizepräsident einer  Bundesapothekerkammer (warum sagt das eigentlich nicht der Präsident selbst?) drei „A-Tipps“ bei akutem Zigarettenverlangen: „Sich ablenken“, man solle statt einer Zigarette lieber mal einen Lutscher nehmen. Oder man solle „aufschieben“ und durchatmen oder „ausweichen“, also beispielsweise den Raucherbereich im Bahnhof meiden. Man muss sich das mal vorstellen, wie so eine Pressemeldung wohl – na sagen wir mal – bei den Lesern des Schwarzwälder Boten oder des Göttinger Tageblatts ankommt. Die Leser dieser Tageszeitungen (sofern  so eine Meldung dort überhaupt abgedruckt wird) werden sich fragen, welche Kompetenz hat ein Vizepräsident einer Bundesapothekerkammer, solche Ratschläge zu geben? Und überhaupt, warum sagt das eine Bundesapothekerkammer und was ist das überhaupt?  Und was sagen die Zahnärzte, wenn ich so viele Lutscher in den Mund nehme? Mein liebes Tagebuch, wie gesagt, eine solche Meldung mag wirklich gut gemeint sein, aber ist sie auch zielgruppengerecht? Glaubt irgendeiner bei der ABDA, dass sich diejenigen, die das Rauchen aufhören wollen, zu Herzen nehmen, was ein Vizepräsident einer Bundesapothekerkammer sagt? Und: Warum verbreitet man solche Meldungen? Vielleicht, weil man die Kompetenz des Apothekers, der Apothekerin in Richtung Vorsorge stärken will. Wäre es dann nicht besser, wenn die Ratschläge von „den Apothekerinnen und Apothekern“ kommen? Wäre damit nicht die Apotheke vor Ort besser ins Spiel gebracht, als wenn man solche Ratschläge dem Vizepräsidenten der Bundesapothekerkammer in den Mund legt? Mein liebes Tagebuch, diese kleine nichtssagende Pressemitteilung zeigt doch das Dilemma: Die Apotheker haben nach draußen für die Öffentlichkeit kein Gesicht, die Botschaften sind schlecht verpackt und tragen nichts zu unserem heilberuflichen Image bei. Daher drei gute „A-Tipps“ für die ABDA: statt aufschieben, ausweichen und ablenken lieber aufarbeiten, anpacken und abliefern. Muss ja nicht gleich ABDAnken sein.

30. Dezember 2014

Das Neujahrsschreiben des Präsidenten: In einem Brief an die Mitgliedsorganisationen spricht der ABDA-Präsident Schmidt die drängenden Probleme an. Und das sind einige. Ein Thema, das er besonders herausstellt, ist die Substitutionsausschlussliste. Die ABDA habe die Unterstützung dieses Projektes vor Jahren nach bestem Wissen und Gewissen, aber „durchaus auch unter dem Druck aus Teilen unserer Mitgliedschaft beschlossen“ schreibt Schmidt. Und weiter: „Wenn dieselben Mitglieder heute teilweise fordern, die Liste einzustampfen, entbehrt dies nicht einer gewissen Ironie.“ Ja, ja, mein liebes Tagebuch, was können wir aus solchen Zeilen lesen? Mal Klartext gesprochen: Dieses Projekt ist gründlich in die Hose gegangen. Man wollte ein Instrument bei der Bewältigung von Rabattverträgen und mehr Sicherheit vor Retaxationen haben und hat mit der Liste Kompetenz und Entscheidungsfreiheit verloren. Da macht es sich der Präsident zu leicht, wenn er versucht, das Listenproblem auf irgendwelche Mitglieder zu schieben. Wenn man sich daran erinnert, warum die Liste so wurde wie sie ist, dann ist da die nicht zustande gekommene Einigung mit dem GKV-Spitzenverband zu nennen, vielleicht zu zögerliche Hinweise der ABDA, welche Nachteile eine solche Liste mit sich bringt, bis hin zu der Tatsache, dass sich die ABDA nicht für eine Mitgliedschaft im Gemeinsamen Bundesausschuss, der nun für die Liste zuständig ist, stark machen wollte. Wenn man kein Mitspracherecht will, muss man schlucken, was einem vorgesetzt wird.

In seinem Neujahrsschreiben befasst sich Schmidt aber auch mit grundsätzlichen Fragen wie Produktsicherheit unter den Bedingungen einer globalisierten Arzneimittelentwicklung und -produktion gewährleistet werden könne, mit einer Optimierung der Zusammenarbeit der Arzneimittelaufsicht in Bund und Ländern mit den berufsständischen Organisationen der Apothekerschaft und „ob die internen Instrumente, Ressourcen und Prozesse solchen neuen Herausforderungen gerecht werden“. Und der Präsident weiß Antworten darauf: Gespräche mit der politischen Spitze des Bundesgesundheitsministeriums stünden an, es sollen Diskussionen stattfinden, wie die Apotheker besser an Überwachungsfunktionen des Gesundheitswesens beteiligt werden können (mehr Entscheidungsverantwortung für den Apothekerberuf) und interne Analysen, die in den Gremien diskutiert würden.

Was im Neujahrsbrief auch steht: Die ABDA wolle sich für eine Verbesserung der Honorierungssituation der öffentlichen Apotheken einsetzen und die Umsetzung des  Perspektivpapiers mit aller Energie vorantreiben. Mein liebes Tagebuch, na, wenn das mal alles gut geht.

31. Dezember 2014

Er kann die Korken knallen lassen: Stefano Pessina, Herr über den weltweit größten Drogerie- und Apothekenkonzern. Die Fusion des US-Apotheken- und Drogeriekonzerns Walgreens mit dem britischen Pharmakonzern Alliance Boots, zu der auch der deutsche Pharmahandel Alliance Healthcare Deutschland (vormals Anzag) gehört, wurde zum 31. Dezember 2014 abgeschlossen. Alliance Boots Gründer Stefano Pessina hat damit sein Ziel erreicht, einen globalen Pharmahandelskonzern unter seiner Führung zu schmieden: die Walgreens Boots Alliance. Der global agierende Konzern hat eine Vision: „The first choice for pharmacy, wellbeing and beauty – caring for people and communities around the word“. Mein liebes Tagebuch, sind das noch Visionen oder schon Allmachtsphantasien? Ob das gut geht? Wollen die Menschen das? Wie war das doch gleich mit den Dinosauriern?

1. Januar 2015

Neujahrsfragen. Wie mag es werden, das neue Jahr? Wo werden die Apothekerinnen und Apotheker am Ende 2015 stehen? Werden sie die Aussicht auf eine Honorarverbesserung haben? Was passiert mit der BtM-Gebühr, mit dem Rezepturarbeitspreis? Wie wird sich das Vorzeigeprojekt Armin entwickeln? Wie geht es weiter mit dem Perspektivpapier, mit mehr Heilberuf? Was wird getan, um die Medikationsanalyse und das Medikationsmanagement voranzubringen? Was wird der Deutsche Apothekerverband unternehmen, um die Retaxationswut der Kassen in Schranken zu halten? Wie wird sich die Wahrnehmung der Apotheken in der Öffentlichkeit, in den Medien entwickeln? Was wird die ABDA tun, um ihre Zusage, transparenter zu werden, zu erfüllen, Der Fragenkatalog ließe sich fortsetzen. Man merkt, da kommt ungeheuer viel auf uns zu. Zu viel, als dass das alles mit Ehrenamtlichen, die sich auch um ihre eigene Apotheke kümmern müssen, an der Spitze gestemmt werden könnte? Mein liebes Tagebuch, manchmal überkommen mich Gedankenspiele, ob es der ABDA-Struktur nicht besser täte, wenn ein Manager eingestellt würde? Eine Frau, ein Mann an der Spitze, die oder der sich ausschließlich und hauptberuflich um die Umsetzung der Aufgaben des Berufsverbands kümmert?

2. Januar 2015

Irgendwie putzig: Da beschließt unsere Regierung eine Beitragsreform für die gesetzlichen Krankenkassen und dann warnt unser Bundesgesundheitsminister Gröhe höchst persönlich vor vorschnellen Kassenwechsel. Ja, will man nun Wettbewerb oder nicht? Warum sollen die Versicherten denn nicht zu einer Kasse wechseln, die niedrige Zusatzbeiträge erhebt und deren Leistungsumfang für den Versicherten akzeptabel ist? Als die Versandapos zugelassen wurden, hat das Ministerium die Versicherten geradezu ermuntert, Preise zu vergleichen und im Internet zu bestellen. Eine gute Kasse erkenne man an Leistung und Preis, sagt der Bundesgesundheitsminister in der BILD-Zeitung. Mein liebes Tagebuch, wir hätten noch einen Neujahrswunsch. Gröhe in BILD: Eine gute Apotheke erkennt man an Leistung und Preis.

Zum neuen Jahr:
Liebe Leserinnen und Leser meines Tagebuchs, vielen Dank für die engagierten Diskussionen. Ich freue mich mit Euch auf das neue Jahr. Hoffen wir, dass es die Pharmazie, die Apotheke und unseren Beruf voranbringt. Vielleicht passt folgender Aphorismus von Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799), dem deutschen Physiker und Meister des Aphorismus, ganz gut als Neujahrswunsch:

"Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber soviel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll."


Peter Ditzel


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