Schneller Bluttransport

Noch ein Drohnenprojekt

Berlin - 22.12.2014, 11:35 Uhr


Sind Drohnen für eilige Kleintransporte ein Irrweg für unkritische Technikfans oder doch ein tragfähiges Zukunftskonzept? Wie ernst das Thema genommen wird, zeigt immerhin das Beispiel der Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken, die künftig Blutprodukte und Laborproben im Rahmen der Notfallversorgung zwischen ihren Krankenhäusern mit Drohnen transportieren wollen.

Das Krankenhaus zur Schwerpunktversorgung verfügt über drei Betriebsstätten, die nur von einer zentralen Blutbank versorgt werden. Trotz Vorsorgemaßnahmen und Vorhaltungen könnten notfallmäßige Transporte nicht ganz vermieden werden, berichtete das Krankenhausunternehmen. In einem Jahr würden etwa 50 bis 70 Notfalleinsatzfahrten mit Blutprodukten oder -proben zwischen den Häusern stattfinden. Die Häuser sind nur wenige Kilometer voneinander entfernt, aber die Straßen seien gerade im Frankfurter Raum häufig überlastet oder dicht und dies könne zu Zeitverzögerungen führen. Der Transport auf der direkten Luftlinie sei dagegen schneller. Darum wolle das Unternehmen künftig fliegende Drohnen für diese Transporte einsetzen.

„Wir erhöhen mit diesen zukunftsweisenden Transportmöglichkeiten die Sicherheit für unsere Patienten, insbesondere bei nicht vorhersehbaren Notfällen, denn da kommt es auf jede Minute an“, erklärte Dr. Dennis Göbel, Geschäftsführer der Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken. Die Drohnen sollen vom Innenhof der Klinik oder vom Hubschrauberlandeplatz starten. Die Fracht wird in einem thermisch isolierten Container aufbewahrt, der auch die Kühlkette sicherstellt. Die Drohne sei bei fast jedem Wetter einsetzbar, auch bei starken Böen, Regen oder Schnee.

Aus der Mitteilung des Unternehmens geht allerdings nicht hervor, welche langfristigen Perspektiven sich aus dem Einsatz von Drohnen ergeben könnten. Insbesondere bleibt offen, wie die Drohnen zuverlässig gesteuert werden sollen, wenn künftig viele Unternehmen diesen Transportweg nutzen, und wie dies auf den Lärmpegel in dicht besiedelten Regionen wirken würde.


Thomas Müller-Bohn