„Pille danach“ ohne Rezept

Kiefer: Apotheker können das!

Berlin - 25.11.2014, 14:18 Uhr


Sollte die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde ellaOne® aus der Rezeptpflicht entlassen, könnte das Notfallkontrazeptivum bald auch in deutschen Apotheken rezeptfrei erhältlich sein. Die Bundesapothekerkammer würde dies begrüßen und betont, dass die Patientinnen in Apotheken auch bei rezeptfreien Notfallverhütungsmitteln so beraten würden, dass eine größtmögliche Arzneimittelsicherheit gewährleistet ist. Die Linksfraktion macht der Regierung bereits Druck.

Die BAK hat sich bereits vergangenes Jahr dafür ausgesprochen, die LNG-haltige „Pille danach“ aus der Rezeptpflicht zu entlassen. „Ohne Rezeptplicht könnten wir unseren Patientinnen noch schneller weiterhelfen“, erklärt BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer zur aktuellen Empfehlung des CHMP. In den wohnortnahen Apotheken mit ihrem niedrigschwelligen und flächendeckenden Nacht- und Notdienst erhielten Frauen die „Pille danach“ umgehend. Zudem betont er: „Selbstverständlich beraten wir die Patientinnen auch bei rezeptfreien Notfallverhütungsmitteln so, dass eine größtmögliche Arzneimittelsicherheit gewährleistet ist. Die Apotheker übernehmen Verantwortung dafür, dass Medikamente nicht missbräuchlich angewendet werden.“

Bei der Linksfraktion, die schon seit langem fordert, dass Frauen die LNG-haltige PiDaNa® in Notfällen direkt in der Apotheke erhalten können, ohne vorher zum Arzt gehen zu müssen, hält man die aktuelle Empfehlung zu ellaOne® für „überaus begrüßenswert“. Die Opposition habe nun lange genug gedrängelt und auch mehrere Anträge dazu im Bundestag vorgelegt. Daher soll es jetzt schnell gehen: „Wir fordern, dass die Bundesregierung zeitnah eine entsprechende Verordnung erlässt und Frauen den Weg zu diesen Notfallverhütungsmitteln nicht länger unnötig erschwert“, erklärt Kathrin Vogler, Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte bei der Linksfraktion. Die Regierung müsse außerdem Regelungen zur Erstattungsfähigkeit schaffen – „damit insbesondere für junge und sozial benachteiligte Frauen keine finanziellen Hürden geschaffen werden“.

Kurz nach Bekanntwerden der CHMP-Empfehlung hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), der sich lange Zeit gegen die Freigabe gesträubt hatte, erstes Einlenken signalisiert: Sein Ministerium will die Empfehlungen genau prüfen und die EU-Entscheidungsfindung weiter verfolgen. Sein Ziel sei es, so Gröhe, auch weiterhin eine gute Beratung für beide Präparate aus einer Hand sicherzustellen. „Wenn diese Beratung aufgrund einer Brüsseler Entscheidung zukünftig nicht mehr zwingend durch einen Arzt vorgenommen werden muss, ist eine intensive Beratung auch in den Apotheken der richtige Weg.“ Mit Spannung kann nun also auf die Entscheidung der EMA gewartet werden.


Juliane Ziegler


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