Europäischer Antibiotikatag

Rückfall in Vor-Penicillin-Ära verhindern!

Berlin - 18.11.2014, 10:39 Uhr


Anlässlich des heutigen Europäischen Antibiotikatages wird von verschiedenen Seiten vor der wachsenden Gefahr von Antibiotika-Resistenzen gewarnt: Ihre Zahl hat sich in manchen Bereichen innerhalb von wenigen Jahren fast verdoppelt. „Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, drohen die Behandlungsmöglichkeiten in ein Vor-Penicillin-Zeitalter zurückzufallen, mit dramatischen Konsequenzen“, mahnt Gesundheitsminister Gröhe. Die weltweite Ausbreitung müsse gestoppt werden.

Antibiotika haben die Medizin revolutioniert und sind unverzichtbar für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Damit sie wirksam bleiben, ist allerdings ein umsichtiger Einsatz erforderlich. Mit der Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) hat Deutschland seit 2008 bereits wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht, erklärt Gröhe. Jetzt gehe es darum, diese vor Ort konsequent anzuwenden und die Anstrengungen national und international weiter zu verstärken. „Fortschritte werden wir nur dann erzielen, wenn wir uns gemeinsam klare Regeln für den Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin und der Tierhaltung setzen und die Forschung verbessern.“ Ganz wichtig sei zudem die Entwicklung neuer Antibiotika und alternativer Arzneimittel.

Der Verband forschender Arzneimittel-Hersteller (vfa) verweist in diesem Zusammenhang auf die allein in diesem Jahr neu herausgebrachten Antibiotika: zwei gegen den Klinikkeim MRSA, zwei gegen multiresistente Tuberkulose. Drei weitere Antibiotika befänden sich im Zulassungsverfahren, 15 weitere sowie vier antibakterielle Antikörperpräparate in der letzten Erprobungsphase. „Daran zeigt sich, dass die Pharmaindustrie ihre Antibiotika-Forschung in den letzten Jahren wieder verstärkt hat“, bilanziert vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Sie betont außerdem, dass es ebenso wichtig sei, die Bildung und Verbreitung weiterer Resistenzen möglichst zu vermeiden. Schließlich ließen sich neue Antibiotika nicht nach Belieben nachliefern.

Die ABDA verweist in einer Mitteilung darauf, dass neben der Politik und den Akteuren des Gesundheitswesens nicht zuletzt auch die Patienten selbst Verantwortung übernehmen müssen: „Durch eine verantwortungsvolle Anwendung von Antibiotika können Resistenzen vermieden werden. Jeder Patient ist mit dafür verantwortlich, dass Antibiotika wirksam bleiben“, erklärt Karin Graf, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der ABDA. Über den richtigen Umgang mit Antibiotika klären daher Apotheken auf: Anlässlich des heutigen Europäischen Antibiotikatages bieten sie für Patienten einen von der ABDA herausgegebenen Flyer mit dem Titel „7 Tipps für den richtigen Umgang mit Antibiotika“ an.


Juliane Ziegler


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