Typ-2-Diabetes

IQWiG lässt neue Antidiabetika durchfallen

Berlin - 18.11.2014, 17:01 Uhr


Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat sich erneut mit zwei neuen Arzneimitteln zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 befasst: Mit der Fixkombination Canagliflozin+Metformin (Vokanamet®) und mit Empagliflozin (Jardiance®) – beides SGLT2-Inhibitoren. Das Urteil der Kölner Wissenschaftler fiel in beiden Fällen negativ aus: Ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie lasse sich aus den vorgelegten Dossiers nicht ableiten.

Vokanamet® ist seit April 2014 für erwachsene Typ 2-Diabetiker zugelassen, bei denen Ernährungsumstellung und Bewegung einen erhöhten Blutzuckerspiegel nicht ausreichend senken. Jardiance® wurde einen Monat später für die gleiche Patientengruppe zugelassen.

Für die Fixkombination Vokanamet® hat der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) für drei mögliche Anwendungsgebiete jeweils unterschiedliche zweckmäßige Vergleichstherapien festgelegt: Wird die Fixkombination allein eingesetzt, sollte sie mit der Kombination aus einem Sulfonylharnstoff (Glibenclamid oder Glimepirid) kombiniert mit Metformin verglichen werden. Wird sie dagegen zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder mit Insulin eingesetzt, sollte Humaninsulin plus Metformin die zweckmäßige Vergleichstherapie sein.

Für die Kombination mit Insulin und einem Sulfonylharnstoff beanspruchte selbst der Hersteller keinen Zusatznutzen. Er führt lediglich für den Vergleich von Canagliflozin plus Metformin mit einem Sulfonylharnstoff in freier Kombination mit Metformin Daten aus einer Zulassungsstudie an. Diese hatte er bereits für die erste Dossierbewertung von Canagliflozin als Monotherapie und in verschiedenen freien Kombinationstherapien vorgelegt. Und schon für dieses Präparat (das mittlerweile vom Markt genommene Invokana®) konnte das IQWiG keinen Zusatznutzen sehen – das hat sich auch bei der Bewertung der Fixkombi nicht geändert. Aufgrund ihres Designs seien in dieser Studie nicht nur die Wirkungen zweier Medikamente, sondern auch zwei unterschiedliche Therapiestrategien miteinander verglichen worden, moniert das Institut. Mögliche Unterschiede in den Behandlungsergebnissen ließen sich daher nicht eindeutig auf die Wirkstoffe oder auf die Therapiestrategie zurückführen.

Empagliflozin: für vier von fünf Fragestellungen keine relevanten Daten

Der SGLT2-Hemmer Empagliflozin konnte das IQWiG ebenfalls nicht überzeugen. Für Jardiance® hatte der G-BA fünf unterschiedliche zweckmäßige Vergleichstherapien festgelegt: Empagliflozin als Monotherapie sollte mit einem Sulfonylharnstoff verglichen werden (A), in Kombination mit Metformin und einem Sulfonylharnstoff (B1), in Kombination mit einem anderen blutzuckersenkenden Arzneimittel ebenfalls mit Metformin und Sulfonylharnstoff (B2). Die Kombination von Empagliflozin mit mindestens zwei anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln war mit Metformin und Humaninsulin zu vergleichen (C), die Kombination mit Insulin ebenfalls (D).

Für die Fragestellungen A, B2, C und D habe der Hersteller zwar einen – teils beträchtlichen, teils nicht quantifizierbaren – Zusatznutzen postuliert, aber keine relevanten Daten vorlegen können, so das IQWiG. Damit sei ein Zusatznutzen nicht belegt. Die Fragestellung B1 wollte der Hersteller mit einem direkten und zwei indirekten Vergleichen beantworten. Doch bei dem direkten Vergleich sei Empagliflozin schon zu Beginn höher dosiert gewesen, als es die Zulassung vorsieht. Außerdem unterschieden sich die Studienarme nicht nur in der Wirkstoffkombination, sondern auch in der Therapiestrategie. Auch die indirekten Vergleiche hält das IQWiG für nicht aussagekräftig. Ihnen lägen ein unvollständiger Studienpool beziehungsweise für die Bewertung ungeeignete Studien zugrunde. Das Fazit des IQWiG lautet daher auch hier: Ein Zusatznutzen für Empagliflozin ist nicht belegt.

Das IQWiG hat allerdings nicht das letzte Wort. Es folgt nun ein Stellungnahmeverfahren vor dem G-BA, der sodann abschließend über das Ausmaß des Zusatznutzens befindet.


Kirsten Sucker-Sket