Importquote

Rückendeckung von der AOK Baden-Württemberg

Berlin - 11.11.2014, 18:15 Uhr


(Re-)importierte Arzneimittel werden seit einigen Monaten nicht mehr vorwiegend positiv als Kostensenker wahrgenommen. Seitdem bei deutschen Arzneimittelimporteuren gestohlene und gefälschte Arzneimittel aufgetaucht sind, mehrt sich die Kritik an der apothekerlichen Pflicht, eine bestimmte Importquote zu erfüllen. Nicht nur die Apotheker wollen die Quote abgeschafft wissen. Auch in der Politik gibt es erste nachdenkliche Stimmen. Sogar der baden-württembergische AOK-Chef Dr. Christopher Hermann findet: „Die Quote ist überholt und kann entfallen.“

Während die Importeure um ihren Ruf kämpfen – allen voran kohlpharma aus dem Saarland –, gibt es immer wieder Angriffe auf die 15/15-Regelung zur vorrangigen Abgabe von Importen. Aus der Politik ist zu diesem Thema bislang wenig zu hören. Gegenüber der in Baden-Württemberg erscheinenden Zeitung „Sonntag aktuell“ (Ausgabe vom 9. November) hat sich jetzt jedoch der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich – der seinen Wahlkreis im schwäbischen Nürtingen hat – geäußert: „Den Zwang zur Abgabe halte ich für falsch, denn er setzt einen Anreiz, der Arzneimittelfälschungen Tür und Tor öffnet“. Unterbinden will er die Abgabe von Importarzneimitteln nicht – doch er setzt auf Freiwilligkeit statt auf Pflicht.

Ebenfalls zu Wort kommt in dem Artikel mit dem Titel „Ermittler besorgt über Import-Pillen“ AOK-Vorstandschef Hermann. Und diesmal liegt er mit seiner Haltung ganz auf einer Linie mit den Apothekern. Auf Nachfrage von DAZ.online bei der AOK Baden-Württemberg räumt die Kasse ein, dass Reimporte „Ausdruck eines funktionierenden EU-Binnenhandels“ seien. Die prekäre Situation in Bezug auf Hehlerware und gefälschte Reimporte, die mittlerweile einzelne EU-Mitgliedsländer als Herkunftsland infrage stelle, könne allerdings nicht hingenommen werden. Während in einem funktionierenden Markt Wettbewerbsstrukturen dafür sorgten, dass Qualitätsprobleme einzelner Anbieter durch eine unmittelbare Marktreaktion umgangen werden können, sei dies im Reimportmarkt anders. Denn die in „vorwettbewerblichen Zeiten“ eingeführte Reimportquote zwinge die Apotheke zur Abgabe von Reimporten, wann immer ein Reimport verfügbar ist, so die AOK. Mittlerweile sei sogar „die perverse Situation eingetreten, dass auf diesem Wege auch wenig wirtschaftliche oder sogar gegenüber dem Original höherpreisige Reimporte vermehrt abgerechnet werden“.

Vorstandschef Hermann ist überzeugt: „Die Quote ist überholt und kann entfallen. Die zunächst rechnerischen Einsparungen durch die Quote bewegen sich nach GKV-Abrechnungsdaten in einer Größenordnung von ca. 0,3 Prozent der Arzneimittelausgaben. Das ist eine Größenordnung, die leicht mit einer moderaten Anhebung des Herstellerabschlags auf patentgeschützte Arzneimittel kompensiert werden könnte und die mit Sicherheit auch gerne von den forschenden Herstellern kompensiert würde“.


Kirsten Sucker-Sket


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