Brandenburg

Lobby-Arbeit ist gefragt

Potsdam - 10.11.2014, 14:00 Uhr


Lobbyarbeit, politisches Wirken und Öffentlichkeitsarbeit werden im Apothekerverband Brandenburg (AVB) immer wichtiger. Während sich die Tätigkeit des Verbands vor zehn Jahren im Wesentlichen auf die Verhandlungen mit Kassen und auf das „Einmaleins der Abgabe von Arznei- und Hilfsmitteln“ beschränkte, sei die politische Lobbyarbeit heute eines der „wichtigsten Betätigungsfelder“ geworden, erklärte die AVB-Vorsitzende Dr. Andrea Lorenz bei der Mitgliederversammlung des Verbands.

„Um unsere berechtigten Interessen angemessen vertreten zu können, ist heute nicht mehr nur die Fachpolitik unser Ansprechpartner“, so Lorenz. Politische Entscheidungen, die auch Apotheker betreffen, würden von Parteien und ihren jeweiligen Koalitionen getroffen. „Dort müssen wir Zugang haben, uns Gehör verschaffen, unsere Positionen darstellen und für Lösungen werben, die sowohl für die Politik als auch unseren Berufsstand von Vorteil sind.“

Schon im Landtagswahlkampf hatte sich die Brandenburger Apothekerschaft engagiert. Auch Lorenz hatte alle Kandidaten für das Landesparlament angeschrieben, ihnen die Probleme des Berufsstandes aufgezeigt und das Angebot zum Gedankenaustausch unterbreitet. Der AVB-Vorsitzenden zufolge gab es hierauf viel Rückmeldung – auch seitens des SPD-Fraktionsvorsitzenden Klaus Ness im Namen des Ministerpräsidenten Dietmar Woidke. Die entgegengebrachte Gesprächsbereitschaft sorgt bei Lorenz für „ein straffes Programm“ in den nächsten Wochen.

GKV-Versorgungsstärkungsgesetz

Weitere Lobbyarbeit sei nun im Hinblick auf das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz nötig. Denn: „Viele unserer Hoffnungen,  drängende wirtschaftliche Probleme unserer Apotheken mit dem Gesetz gelöst zu bekommen, werden sich mit diesem Gesetz nicht verwirklichen lassen.“ Zwar soll der Kassenrabatt auf 1,77 Euro festgeschrieben werden, was den Apotheken Planungssicherheit gebe. Außerdem will der Gesetzgeber das Thema Nullretaxationen von GKV-Spitzenverband und Deutschem Apothekerverband im Rahmenvertrag regeln lassen. „Auch wenn die Krankenkassen bestimmt nicht völlig auf das Instrument verzichten wollen, ist hier zumindest hoffentlich bald der Willkür ein Riegel vorgeschoben“, so Lorenz. Positiv sieht sie auch die geplante Regelung zum Entlassrezept.

„Aber die vielen anderen Forderungen, die der Berufsstand formuliert hat und die von der Politik auch als berechtigt anerkannt werden, fehlen in dem  Gesetzentwurf“, moniert die Vorsitzende. Nämlich die Anhebung der Rezepturpreise, eine Erhöhung der BtM-Pauschale, die Dynamisierung der Apothekenvergütung sowie des Nacht- und Notdienstfonds, damit die Apotheken die von der Politik zugesagten 120 Millionen Euro im Jahr auch erhalten. Das heiße, „dass wir uns während des Gesetzgebungsverfahrens intensiv bei den entsprechenden Schaltstellen einbringen müssen, um  Veränderungen zu erreichen“, so Lorenz. „Ob uns das gelingt, ist eine andere Frage.“ Versuchen werde man es auf jeden Fall.

Grippeimpfstoffversorgung

Darüber hinaus gehören Verhandlungen mit Kostenträgern aber weiterhin zum Tagesgeschäft des AVB. Um nur ein Beispiel zu nennen: So hat der Verband mit der AOK Nordwest auch in dieser Saison eine Vereinbarung zur Grippeimpfstoffversorgung von Versicherten der Primärkassen getroffen. Die Preise liegen dabei laut Lorenz auf dem Niveau des Vorjahres. Im Gegensatz zu Regionen, in denen die Grippeimpfstoffversorgung ausgeschrieben wurde und den Apotheken für die Logistik nur eine „geringfügige Handlingsgebühr“ zugestanden wird, habe der AVB seinen Mitgliedsapotheken eine attraktive Marge sichern können, betonte Lorenz. „Mag es partiell auch einige wenige Kritikpunkte in diesem Bereich geben, sollten sich alle brandenburgischen  Apotheken über unsere Situation freuen. Es ist eben nicht mehr selbstverständlich, altangestammte Geschäftsfelder verteidigen zu können.“


Kirsten Sucker-Sket


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