Apothekertag Mecklenburg-Vorpommern

Viel Einigkeit und etwas Kontroverse

Klink - 09.11.2014, 17:46 Uhr


Die künftige Ausrichtung des Apothekerberufs stand im Mittelpunkt des Apothekertages Mecklenburg-Vorpommern am 8. November in Klink an der Müritz. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt verknüpfte grundsätzliche Gedanken des Perspektivpapiers der Apotheker mit konkreten berufspolitischen Fragestellungen. Bei einer Diskussionsrunde bildete sich eine Kontroverse, ob das Pharmaziestudium künftig stärker patientenorientiert oder in der gewohnten inhaltlichen Breite angelegt sein soll.

Zur Eröffnung des Apothekertages blickte Christel Johanns, Präsidentin der Apothekerkammer Mecklenburg-Vorpommern, auf den Entwurf des GKV-VSG. Darin kämen die Apotheker nur marginal vor und es sei nicht vorgesehen, dass sie Anträge auf Mittel aus dem Innovationsfonds stellen könnten, obwohl sie Leistungserbringer sind.

Für Schmidt sind Aufgaben der Standespolitik sowohl die Interessenvertretung als auch die Selbstverwaltung. Das berge Konfliktpotenzial, aber die Interessenvertretung finde ihre Grenzen im Interesse der Gesellschaft, denn „wir sind eben keine Gewerkschaft der Lokomotivführer“ so Schmidt. Das Ziel könne daher nur sein, die beste Arzneimittelversorgung zu organisieren. Was dies sei, liege in der Definitionsmacht, die die Apotheker für ihren Tätigkeitsbereich beanspruchen könnten. Dies sei der Hintergrund für das Perspektivpapier „Apotheke 2030“. Als seinen Wunsch für 2030 erklärte Schmidt, dass die Apotheke als Dienstleistungserbringer gesehen werde. Dies sei bereits für die absehbare Finanzknappheit in der GKV ab 2017 wichtig. Denn „kein Politiker in Deutschland senkt Löhne“, aber Preise könnten gesenkt werden, so Schmidt. Außerdem wünsche er sich einen differenzierten Leistungskatalog, damit der Absatz von Arzneimitteln nicht die einzige Einnahmequelle sei, und einen institutionalisierten Sicherstellungsauftrag, mit dem die Apotheker eine gute Arzneimittelversorgung definieren und umsetzen.

Ein hoffnungsvolles Bild über die künftige Zusammenarbeit mit den Ärzten vermittelte Prof. Dr. Attila Altiner, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universität Rostock. In Multimorbidität und Polypharmazie sieht er wesentliche Berührungspunkte zwischen Allgemeinmedizinern und Apothekern. Er betonte den Nutzen der Apotheker bei der Analyse der Medikation und sieht den Krankenhausapotheker in zehn Jahren als klinischen Pharmazeuten und den Offizinapotheker zusätzlich als Hausapotheker.

Kontroverse über Pharmaziestudium 

Aus einem Kurzvortrag von Prof. Dr. Werner Weitschies, Pharmazeutische Technologie an der Universität Greifswald, entwickelte sich in der anschließenden Diskussion eine Kontroverse zur künftigen Gestaltung des Pharmaziestudiums. Weitschies erklärte: „Wer Themen aus der Approbationsordnung streicht, beschneidet das Berufsbild als Ganzes“. Er warb für ein integriertes Bild der pharmazeutischen Wissenschaft als Kontrast zur spezialisierten angelsächsischen Ausbildung und hob die Option hervor, dass sich die Absolventen erst spät für ihren Berufsweg entscheiden müssten. Zugleich räumte er ein, dass veraltete Inhalte aus dem Studium entfernt werden sollten, und verwies dazu auf die laufende Diskussion in der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft unter dem Titel „Pharmazie 2020“.

Schmidt forderte dagegen das Studium mehr am Patienten zu orientieren, weil die weitaus meisten Absolventen später mit Patienten arbeiten und dies allein die Privilegierung des Apothekerberufs begründe. Allerdings räumte auch Schmidt ein, dass der auf dem Deutschen Apothekertag von Prof. Derendorf vorgestellte Ansatz eines komplett neu organisierten Studiums nach US-amerikanischem Vorbild in Deutschland nicht umgesetzt werden könne und solle.


Dr. Thomas Müller-Bohn


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