Berliner Erklärung

Hepatitis C: Zeit zu handeln

Berlin - 24.10.2014, 15:45 Uhr


Anlässlich der Europäischen Konferenz zu Hepatitis C und Drogengebrauch in Berlin wurde die sogenannte Berliner Erklärung der europaweit agierenden „Hepatitis C Initiative“ – ein Zusammenschluss von Organisationen, Netzwerken und Gesundheitsinstituten – vorgestellt. Die zentrale Botschaft: „Hepatitis C ist ein großes globales Gesundheitsproblem. Es ist Zeit zu handeln!“ Handlungsbedarf sehen die Akteure sowohl in Sachen Prävention und Früherkennung als auch beim Zugang zur Behandlung.

Von Hepatitis C sind Drogenkonsumenten besonders häufig betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation hat sie daher als wichtige Zielgruppe für Prävention und Versorgung ausgemacht. Für sie brauche es spezielle Wege bei der Aufklärung über Schutzmöglichkeiten, fordert auch die Deutsche Aids-Hilfe, etwa szenenahe Testangebote und Behandlungsprogramme. Zu den größten Hindernissen zählten dabei die Strafbarkeit des Drogenkonsums und die Stigmatisierung von Drogenkonsumenten. Die Unterzeichner der Berliner Erklärung empfehlen daher den EU-Staaten, die Kriminalisierung des Drogenkonsums abzuschaffen.

Die Deutsche Aids-Hilfe verweist darauf, dass viele Hepatitis-Übertragungen durch die gemeinsame Benutzung von Spritzen und Zubehör in Haft geschehen. „Hoch wirksame Maßnahmen wie Spritzenvergabe in Haftanstalten, die zugleich HIV-Infektionen verhindern würden, werden in den Bundesländern politisch blockiert“, kritisiert Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe.

In der Berliner Erklärung wird zudem der Zugang zur Hepatitis-C-Behandlung für alle Betroffenen gefordert. Diese erlebe zurzeit einen „beispiellosen Fortschritt“. Allerdings hätten viele Patienten – auch in Europa – aufgrund der „völlig überzogenen Preise“ keinen Zugang zu den neuen Mitteln, mahnt die Deutsche Aids-Hilfe. Und auch Ärzte in Deutschland verordneten die Präparate aus Angst vor Regressen nur sehr zögerlich. „Die Politik und die Pharmafirmen stehen in der Pflicht, die Medikamente bezahlbar zu machen“, so Urban.

In Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Aids-Hilfe bis zu 500.000 Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert – viele wüssten nicht einmal davon. Erschreckend hoch sei auch die Zahl derjenigen, die keine angemessene Therapie erhalten. Die Deutsche Aids-Hilfe hat darum im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Deutschen Leberhilfe, der Deutschen Leberstiftung und dem Aktionsbündnis Hepatitis und Drogengebrauch einen Aktionsplan gegen Virushepatitis vorgestellt.


DAZ.online


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