Versorgungsstärkungsgesetz

AVIE kritisiert ABDA: Chance vertan

Berlin - 23.10.2014, 17:04 Uhr


Bei der Apothekenkooperation AVIE ist man enttäuscht von der Standesführung: Die ABDA sowie der Deutsche Apothekertag hätten im Vorfeld der Erstellung des Referentenentwurfs zum Versorgungsstärkungsgesetz die falschen Schwerpunkte gesetzt und sich in Details verzettelt, kritisiert Geschäftsführer Dr. Thomas Zenk. Die Apotheken kämen darin eindeutig zu kurz – insbesondere beim Honorar.

Honorierungsfragen und die Schnittstelle zwischen ärztlicher Versorgung und Offizinpharmazie hätten nach Meinung des Geschäftsführers viel stärker thematisiert werden müssen. „Wer sich an Randthemen aufreibt, verliert den Blick für das Wesentliche.“ Angesichts der Konditionsabsenkungen im Großhandel wäre ein „konzentriertes und deutlicheres Eintreten für die wirtschaftliche Zukunft der Vor-Ort-Apotheke angezeigt“, so Zenk. „Die Ärzteverbände zeigen, wie das geht.“

Stattdessen habe man aber Ertragsquellen wie zum Beispiel die Abgabe von Importarzneimitteln infrage gestellt. Beim Apotheken-Ableger der saarländischen Kohl-Gruppe sieht man dabei ein Problem: Die 300 Millionen Euro, die heute pro Jahr durch Importe eingespart würden, so heißt es bei AVIE, müssten andernorts wieder hereingeholt werden. „Dass die Apotheker dazu einen Beitrag leisten müssten, liegt auf der Hand.“ Doch immer weniger Apotheker, insbesondere Inhaber, hätten für diesen Kurs Verständnis.

Als „prekär“ stuft man in Merzig die geplante Regelung zu Honorarfragen ein: „Anstatt über die Höhe des Apothekenabschlages zu feilschen, wäre die Forderung nach dessen ersatzloser Abschaffung unter Beibehaltung des Fixzuschlages die klarere Botschaft gewesen.“ Zumal der Abschlag schon lange seine formale Berechtigung verloren habe. Der angebliche Vorteil für Apotheken, im Gegenzug ihre GKV-Rechnungen innerhalb von zehn Tagen bezahlt zu bekommen, sei eher eine Selbstverständlichkeit und wirke gemessen an der aktuellen Retax-Praxis der Krankenkassen als „blanker Hohn“.


Juliane Ziegler


Das könnte Sie auch interessieren

Standesführung hat bei GKV-VSG Chancen vertan

AVIE kritisiert ABDA

Westfälisch-lippischer Apothekertag als erster hybrider Apothekertag

„Mit uns aus der Krise“

Importregelung, Botendienste, Schutzmaßnahmen

Daran arbeitet die ABDA in der Krise

Oberlandesgericht Düsseldorf hebt Streitwert von 15.000 auf 250.000 Euro an

Rx-Boni-Streit wird teurer

Versandhandelskonflikt

Keine Alarm-Stimmung in Bayern

Brandenburger Anträge zur ApBetrO

ABDA-Mitgliederversammlung folgt BAK-Empfehlungen

Ingrid Fischbach spricht sich für ihre Einbindung ins Präventionsgesetz aus

Apotheker gehören mit ins Boot