Ärzte gegen Sterbehilfe-Vorstoß

Montgomery: Grenze klar überschritten

Berlin - 17.10.2014, 16:28 Uhr


Ärzte lehnen die von einer Gruppe von Abgeordneten aus Union und SPD geforderte ärztlich begleitete Selbsttötung für Schwerstkranke ab: „Dieser Vorschlag mündet in die Freigabe einer aktiven Sterbehilfe“, erklärte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Abgeordneten plädieren in einem Positionspapier für eine zivilrechtliche Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch, um Rechtssicherheit zu schaffen.

Das Papier der Abgeordneten um Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) und die beiden SPD-Politiker Karl Lauterbach und Carola Reimann sieht vor, Ärzten unter bestimmten Bedingungen die Beihilfe zur Selbsttötung zu erlauben. „Wer den assistierten Suizid auf diese Art und Weise rechtlich begründet, der macht ihn überhaupt erst gesellschaftsfähig“, argumentiert Montgomery laut Zeitungsbericht. „Damit erlischt für mich ein wichtiger Schutz für alle Schwachen in unserer Gesellschaft wie Alte, Kranke und Demente.“

Mit der Umsetzung des Eckpunktepapiers würden Patienten ein tödlich wirkendes Medikament oder eine Maschine zur Tötung zur Verfügung gestellt bekommen. Der Arzt solle dann noch Hilfestellung bei der Selbsttötung leisten und eine medizinische Begleitung auf der Grundlage ärztlicher Fachkenntnis liefern, so Montgomery weiter. „Damit aber ist die Grenze zur Tötung auf Verlangen klar überschritten.“ Im Übrigen handele es sich bei der vorgesehenen Feststellung grausamen Leidens um ein sehr bürokratisches Verfahren.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz lehnt das Papier ebenfalls ab: Vorstand Eugen Brysch kritisierte gegenüber der Zeitung, damit würden Ärzte pauschal als Suizidhelfer legitimiert. Das sei „außerordentlich gefährlich“. Einige Mediziner treiben ihm zufolge schon seit Jahren ein unethisches Spiel mit den Ängsten und helfen bereits bei der Selbsttötung. Gerade diese Ärzte würden die Beihilfe zum Suizid auch jenen Menschen anbieten, die nicht unter starken Schmerzen litten, sondern Ängste vor fortschreitendem Parkinson, vor Demenz oder dem Wechsel in ein Pflegeheim hätten. Auch aus seiner Sicht gibt es keine allgemeingültigen Kategorien für „objektiv schweres Leiden“.


Juliane Ziegler