GKV-Schätzerkreis

2015 Kassenzusatzbeitrag bei 0,9 Prozent

Bonn/Berlin - 15.10.2014, 16:35 Uhr


Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleibt im kommenden Jahr weitgehend stabil. Er könnte aber aufgrund erwarteter Kostensteigerungen im Gesundheitswesen in den Folgejahren deutlich steigen. Die vom Gesetzgeber beschlossene Beitragssenkung von 15,5 auf 14,6 Prozent dürfte durch Zusatzbeiträge der einzelnen Kassen von durchschnittlich 0,9 Prozentpunkten in 2015 wieder weitgehend aufgezehrt werden. Zu diesem Ergebnis kam der Schätzerkreis von Bundesversicherungsamt, GKV und Bundesgesundheitsministerium.

Durch die Beitragssatzsenkung zum 1. Januar 2015 und die Möglichkeit, dann den Zusatzbeitrag selbst zu bestimmen, will der Gesetzgeber mehr Wettbewerb zwischen den einzelnen Krankenkassen erreichen. Denn die Versicherten können künftig vergleichen, welche Kasse das günstigere Angebot hat. 20 der rund 130 gesetzlichen Krankenkassen haben bereits angekündigt, aufgrund ihrer stabilen Kassenlage einen Zusatzbeitrag unter den 0,9 Prozentpunkten anbieten zu können.

Für das Jahr 2015 rechnet der Schätzerkreis mit Einnahmen des Gesundheitsfonds, aus dem die Kassen ihren jeweiligen Anteil erhalten, von 198,3 Milliarden Euro. Der Bundeszuschuss beträgt demnach voraussichtlich rund 11,5 Milliarden Euro. Die Ausgaben der Krankenkassen werden mit 209,5 Milliarden Euro veranschlagt. Dies entspricht einer Zunahme um 4,1 Prozent je Versicherten. Das Ministerium legt den rechnerischen durchschnittlichen Zusatzbeitrag auf Basis der Schätzung per Verordnung bis zum 1. November 2014 fest.

Das Gesundheitsministerium erklärte, der individuelle Zusatzbeitrag einer Krankenkasse „richtet sich zum Beispiel danach, wie wirtschaftlich eine Kasse arbeitet und ob die Kassen ihre hohen Finanz-Reserven von rund 16 Milliarden Euro im Sinne der Versicherten nutzen“. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte schon zuvor immer wieder betont, dass durch die Gesetzesänderung Millionen von Versicherten entlastet würden. Allerdings dürften auch viele Versicherte zusätzlich belastet werden.

Kritiker rechnen auch damit, dass in den Folgejahren die Zusatzbeiträge wegen steigender Kosten deutlich zulegen. Der Kieler Gesundheitsökonom Thomas Drabinski geht davon aus, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag – je nach Entwicklung bei den Reserven im Gesundheitsfonds – bis 2018 auf mehr als 2,3 Prozent steigen könnte. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, erklärte: „Wir gehen davon aus, dass künftig alle Kassen einen Zusatzbeitrag nehmen müssen.“ Durch die Senkung des allgemeinen Beitragssatzes entstehe eine Finanzierungslücke, gleichzeitig stiegen die Leistungsausgaben weiter – die Finanzierungslücke könne nur über die Zusatzbeiträge geschlossen werden.


dpa/DAZ.online


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