Spanische Krankenschwester infiziert

Ebola-Epidemie hält die Welt in Atem

Berlin - 07.10.2014, 14:46 Uhr


Erstmals seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika hat sich ein Mensch innerhalb Europas mit dem gefährlichen Virus infiziert: Eine spanische Krankenschwester steckte sich bei einem Ebola-Patienten in einem Madrider Krankenhaus an. Zwei Bluttests fielen positiv aus. Wie die Frau sich infiziert hat, ist bislang unklar. Indessen hat man in Deutschland einen Ebola-Beauftragten eingesetzt.

Nach Angaben des Generaldirektors der medizinischen Erstversorgung der Region Madrid, Antonio Alemany, betrat die Frau zweimal das Krankenzimmer des Ebola-Patienten. Einmal zur Pflege, ein anderes Mal gleich nach dem Tod des spanischen Geistlichen Manuel García Viejo, der sich in Sierra Leona mit Ebola infiziert hatte und mit einem Flugzeug der spanischen Luftwaffe ausgeflogen worden war. Der 69-Jährige starb am 25. September in Madrid. Die Erkrankte wurde in der Nacht zum Dienstag in das Krankenhaus gebracht, in dem auch Viejo behandelt wurde. Eine Ansteckung bei dem ebenfalls behandelten Missionar Miguel Pajares wurde ausgeschlossen.

In den drei am härtesten von Ebola betroffenen Ländern Liberia, Guinea und Sierra Leone fallen trotz verbesserter Hilfsmaßnahmen immer noch täglich Menschen Ebola zum Opfer. Wie die Organisation Ärzte ohne Grenzen am Montag mitteilte, steckte sich in Sierra Leone auch eine norwegische Mitarbeiterin an. Die Frau sollte zur Behandlung in das Osloer Universitätsklinikum geflogen werden. Insgesamt sind bei der WHO inzwischen mehr als 3400 Tote in den drei Ländern erfasst, mit über 2000 die weitaus meisten davon in Liberia.

Ein in Hamburg seit Ende August behandelter Ebola-Patient wurde am 4. Oktober als gesund entlassen. In Frankfurt wird derzeit ein weiterer Patient behandelt – es handelt sich um einen Arzt aus Uganda, der sich in Sierra Leone mit dem Virus angesteckt hatte. Die Frankfurter Uniklinik nimmt die Ebola-Infektion der Pflegehelferin in Spanien jedoch vorerst nicht zum Anlass, die eigenen Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen. Bisher habe man in Frankfurt kein Leck festgestellt, sagte Hans-Reinhard Brodt, Leiter der Infektiologie, am Dienstag. Noch fehlten Informationen darüber, wie es in Spanien zu der Ansteckung kommen konnte. „Wir wissen noch nicht, ob es ein Systemfehler war oder nicht“, so Brodt. Der Fall beunruhige jedoch das Personal.

Seit letzter Woche gibt es auch einen Ebola-Beauftragten der Bundesregierung. Wie Regierungssprecher Steffen Seibert am 1. Oktober mitteilte, handelt es sich dabei um Walter Lindner. Der heute 57-Jährige trat nach dem Studium der Rechtswissenschaften mit Nebenfach Politologie und Spanisch bereits im Jahr 1988 in den diplomatischen Dienst ein. Er ist der ehemalige Afrika-Beauftragte des Auswärtigen Amtes und ehemalige Leiter des Krisenreaktionszentrums des Auswärtigen Amtes. Unter Außenminister Joschka Fischer (Grüne) war er dessen Sprecher. Gegenwärtig ist Lindner Botschafter in Caracas/Venezuela – doch nun ruft ihn die Bundesrepublik zurück. Lindner werde künftig die Anstrengungen im Kampf gegen Ebola koordinieren, so Seibert. Als früherer Leiter des Krisenreaktionszentrums verfüge er über breite Erfahrung. Seine Ernennung werde dazu beitragen, „dass die deutschen Bemühungen ihre maximale Wirkung entfalten können“.


dpa/DAZ.online