Perspektivpapier „Apotheke 2030“

Welche Qualifikation braucht es?

München - 18.09.2014, 15:00 Uhr


Die erforderliche Qualifikation des künftigen Apothekers war eines der Themen in der Diskussion des Perspektivpapiers auf dem Deutschen Apothekertag in München. Sollten tiefergehende Kenntnisse zur klinischen Pharmazie bereits verpflichtend im Studium erworben werden? Und würden die Universitäten dabei überhaupt mitziehen?

Professor Hartmut Derendorf, Professor und Chairman des Departments of Pharmaceutics an der University of Florida in Gainesville, berichtete zunächst von seinen Erfahrungen in den USA. In seiner Klinik gebe es 800 Betten und 70 festangestellte Apotheker, die mit den Ärzten auf Station gingen und „extrem anerkannt“ seien – wegen ihrer pharmakologischen Kompetenz. Für diese müsse die Ausbildung sorgen, betonte er. Dazu gehöre neben dem rein naturwissenschaftlichen Aspekt auch der medizinische, soziale und kommunikative. Für den weiteren Prozess in Deutschland rät er dem Berufsstand, sich mit den Universitäten zusammenzusetzen und den Weg gemeinsam zu besprechen.

Die wenigsten Pharmaziestudierenden wären sich zu Beginn des Studiums sicher, ob sie später als Apotheker arbeiten wollten, erklärte Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen. Und doch entscheide sich am Ende die große Mehrheit von 80 Prozent für die Apotheke. Dieser Fakt sollte daher im Rahmen der pharmazeutischen Ausbildung berücksichtigt werden. Das bestätigte David Reiner, Vorsitzender des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD): Die klinische Pharmazie solle als eigene naturwissenschaftliche Disziplin im Pharmaziestudium integriert werden und nicht nur ein zusätzliches Prüfungsfach sein.

Ein Hindernis könnten dabei allerdings die Universitäten darstellen, die das Zepter über die Ausbildung in Händen halten und auch nicht aus der Hand geben wollen. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt könnte sich daher gut vorstellen, die Idee Derendorfs aufzugreifen und auf einem „weißen Blatt“ zunächst festzuhalten, was ein Apotheker aus Sicht des Berufsstandes künftig können sollte. Entsprechend sollten die Universitäten vorgehen – und dann könnte man sich zusammensetzen und über eine Novellierung der Approbationsordnung sprechen.

Thomas Benkert, Präsident der Bayerischen Apothekerkammer, betonte, letztlich brauche man auch die Politik mit am Tisch. Schließlich koste die Apothekerausbildung „eine Menge Geld“. Das Perspektivpapier solle beschreiben, wie „wir“ uns den Apotheker der Zukunft vorstellen. Im Vordergrund müsse der Nutzwert für die Gesellschaft stehen. Wenn dieser klar sei, werde man bei den politischen Entscheidungsträgern auf offene Türen stoßen, und die Universitäten bekämen am Ende auch das für die entsprechende Ausbildung erforderliche Geld.


Juliane Ziegler


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