Ebola-Epidemie in Westafrika

WHO: 240 Helfer angesteckt – 120 gestorben

Genf/Paris/Freetown/Berlin - 26.08.2014, 16:59 Uhr


Bei der Ebola-Epidemie in Westafrika haben sich medizinische Helfer in beispiellosem Ausmaß mit dem Virus infiziert. Bislang hätten sich mehr als 240 Ärzte, Pfleger und andere Helfer angesteckt, von denen über 120 gestorben seien, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. Der Ebola-Mitentdecker Peter Piot warf der Organisation vor, viel zu spät auf die Epidemie reagiert zu haben.

Für die hohe Infektionsrate unter den Helfern nannte die WHO etliche Gründe: Oft sei die Ausstattung mit Schutzausrüstung wie Spezialkleidung, Mundschutz oder Handschuhen unzureichend. Zudem seien viele Helfer mit der chaotischen Situation vor Ort völlig überfordert, was das Infektionsrisiko erhöhe. „Überlastetes Personal ist anfälliger für Fehler“, erklärte die WHO. Nach Angaben der Vereinten Nationen wird der Kampf gegen die Epidemie durch die Reduzierung der internationalen Flüge nach Westafrika stark behindert. Dadurch werde es sehr schwer, Helfer und Hilfsgüter in die betroffenen Länder zu bringen.

Unterdessen weitet sich der Virus-Ausbruch nach Angaben der Vereinten Nationen immer noch aus. Für die Bekämpfung der Seuche sei eine „globale Partnerschaft“ nötig, an der sich alle Staaten beteiligen, heißt es in einer Mitteilung. Piot, der verschiedene UN-Programme leitete, warf der WHO vor, zu langsam auf den Ausbruch in Westafrika reagiert zu haben. Bereits im März sei gewarnt worden, dass sich seit Dezember 2013 eine Ebola-Epidemie entwickele. Er warnte, dass die Epidemie noch weit schlimmere Folgen haben könne als bisher. Für westliche Länder sieht er indes keine ernste Gefahr. Es sei möglich, dass einzelne Fälle von Ebola auftreten. Moderne Gesundheitssysteme könnten damit aber fertig werden.

Wegen Ebola-Gefahr warnte das Auswärtige Amt in Berlin vor Reisen in die nordöstlichen Landesteile der Demokratischen Republik Kongo. Das zentralafrikanische Land verfüge aber über Erfahrungen im Umgang mit Ebola-Epidemien. Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) schickt Ärzte, Krankenschwestern, Logistik- und Hygieneexperten in das Gebiet. Bislang sei in der Provinz Equateur bei vier Patienten Ebola bestätigt worden, teilte der MSF-Koordinator im Kongo mit. Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium des Kongos errichte MSF ein Zentrum zur Ebola-Bekämpfung in der Ortschaft Lokolia.


dpa/DAZ.online


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