Hypertonie-Therapie

Blutdruck nicht zu tief senken

22.08.2014, 15:00 Uhr


Ziel einer Hypertonie-Behandlung ist es, die Blutdruckwerte zu senken, um eventuellen Schäden an Organen und Gefäßen vorzubeugen. Dabei wird oft das Ziel verfolgt, den Blutdruck so niedrig wie möglich zu halten, da dies langfristig die Gesundheit fördern soll. Aber ist das tatsächlich so?

Eine neue amerikanische Studie zeigt nun allerdings, dass – ähnlich wie bei erhöhten Blutdruckwerten – auch eine zu aggressive Senkung des Blutdrucks zu Schäden an den Nieren führen kann und sich das Sterberisiko erhöht. Ziel der war es, die Rate an terminalem Nierenversagen sowie der damit assoziierten Sterblichkeit an 398.419 Hypertonikern zu evaluieren, um daraus die Blutdruckwerte zu ermitteln, bei denen das Risiko eines tödlichen Nierenversagens am geringsten ist. Bei insgesamt 28.919 Patienten (7,3%) wurde im medianen Beobachtungszeitraum von 4,5 Jahren ein terminales Nierenversagen festgestellt. Überraschenderweise stellte sich dabei heraus, dass Personen mit einem eingestellten systolischen Blutdruck von 130 bis 139 mmHg das geringste Risiko besaßen, an Nierenversagen zu sterben, wohingegen Werte von über 140 mmHg das Risiko um das 1,4- bis 4,9-Fache erhöhten, aber auch Patienten mit niedrigeren Blutdruckwerten ein erhöhtes Mortalitätsrisiko besaßen (1,12- bis 4,1-fach). Für den diastolischen Blutdruck ergab sich ebenfalls eine U-förmige Kurve für das assoziierte Risiko und bestätigte optimale Werte von 60 bis 79 mmHg. Höhere Werte steigerten das Risiko erneut um das bis zu 3,65-Fache, niedrigere Werte um das bis zu 3,32-Fache.

Die Autoren der Studie warnen daher vor einer zu aggressiven Blutdrucksenkung bei behandelten Hypertonikern, da dies, ähnlich wie bei zu hohen Werten, mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden ist. Ziel einer effektiven Behandlung sei es, die idealen Blutdruck-Zielwerte zu erkennen, um einer möglichen Überdosierung mit antihypertensiven Medikamenten entgegenzuwirken.

Aktuelle Behandlungsleitlinien beinhalten zwar bereits obere Grenzwerte von 140/90 mmHg, jedoch findet sich noch keine Angabe zu unteren Zielwerten, obwohl ein zu geringer Blutdruck ggf. zu orthostatischer Hypotension führt, was eine Minderperfusion lebenswichtiger Organe, wie der Niere, zur Folge haben kann.

Quelle: Sim JJ, et al. J Am Coll Cardiol 2014;64(6):588-597


André Said


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