Rheinland-Pfalz

Visavia-Modellprojekt bleibt folgenlos

Berlin - 12.08.2014, 16:30 Uhr


Das Visavia-Modell-Projekt in vier rheinland-pfälzischen Apotheken ist bereits letztes Jahr eingestellt worden. Auch seine Evaluation ist mittlerweile abgeschlossen. Gebracht hat es wenig – außer der Erkenntnis, dass „die organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen eines räumlich auf vier Standorte und zeitlich auf die Zeit von 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr beschränkten Projektes nicht ausreichen, um eine endgültige und aussagefähige Bewertung des Projektes vornehmen zu können“.

Am 1. Juli 2012 startete der Testlauf mit den Arzneimittelautomaten der Firma Rowa. Die damalige Gesundheitsministerin und heutige Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erklärte seinerzeit, man wolle herausfinden, ob ein Abgabeterminal für Medikamente in Apotheken eine sinnvolle und qualitätsgesicherte Ergänzung für die Bürger und Bürgerinnen auf dem Land sein könnte. Dass das Abgabeterminal für Arzneimittel vom Bundesverwaltungsgericht weitgehend für unzulässig erklärt wurde, störte das Projekt offenbar nicht.

In der ersten Projektphase wurde das Abgabeterminal von vier Apotheken in Haßloch, Osthofen, Bodenheim und Daun parallel zu den Öffnungszeiten der dortigen Präsenz-Apotheken betrieben. Ab Oktober 2012 wurden die Betriebszeiten in einer zweiten Projektphase von Montag bis Samstag auf 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr ausgeweitet. Kunden konnten also auch außerhalb der Öffnungszeiten der Präsenz-Apotheke mit Arzneimitteln versorgt und durch Apotheker beraten werden.

Mitte 2013 wurde das Projekt dann eingestellt – in Haßloch hatte man sich angesichts des hohen organisatorischen Aufwands sogar schon früher aus dem Testlauf verabschiedet. Anschließend wurde anhand von Kundenbefragungen eine Evaluation durch die Universitäten Trier und Mainz durchgeführt. Doch die Landesregierung ist danach kaum schlauer. Dies geht aus der vergangene Woche veröffentlichten Antwort des rheinland-pfälzischen Gesundheits-Staatsministers Alexander Schweitzer (SPD) auf eine kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Herbert Schneiders hervor. Danach gibt es zwar „erste Hinweise auf positive Ergebnisse im ländlichen Raum hinsichtlich der Akzeptanz durch die Apothekenkunden und im Hinblick auf eine Erweiterung der Medikamentenversorgung“. Die Auswertung habe aber auch gezeigt, dass das kleine Projekt nicht ausreicht für eine aussagekräftige Bewertung.

Weitere Ambitionen hinsichtlich des Projektes hegt die Landesregierung nicht. Gefragt nach einer möglichen Fortführung verweist Schweitzer darauf, dass die Landesapothekerkammer eine Zustimmung zum Einsatz des Abgabeterminals im Apothekennotdienst außerhalb der allgemeinen Öffnungszeiten derzeit nicht in Aussicht gestellt habe. Diese sei aber nötig, wolle man in eine dritte Phase treten. Die das Modellprojekt durchführende Firma habe daher davon Abstand genommen, das Projekt auszuweiten, so Schweitzer. Angesichts dessen plane die Landesregierung auch keine Gesetzesinitiativen auf Änderung des Apothekengesetzes und der Apothekenbetriebsordnung, die einen flächendeckenden Einsatz des Apothekenterminals ermöglichen könnten.

Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Dr. Peter Enders, will nach dieser Antwort weitere Erläuterungen im Gesundheitsausschuss des Landtages: Warum sei das „von Frau Dreyer so hoch gelobte Projekt“ nun eingestellt worden – und welche Konsequenzen habe dies? Enders will wissen, welche Maßnahmen nun ergriffen werden sollen, um die Arzneimittelversorgung im ländlichen Raum zu verbessern. Er selbst kündigte jedenfalls an, das Gespräch mit der Apothekerkammer zu suchen.


Kirsten Sucker-Sket


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