Epidemie in Westafrika

Virologe: Angst vor Ebola in Europa unbegründet

Hamburg/Berlin - 05.08.2014, 11:22 Uhr


Angst vor einer Ebola-Ausbreitung auf Europa ist laut einem Institut für Tropenmedizin in Hamburg unbegründet. „Es ist absolut unwahrscheinlich, dass es in Europa zu einer Epidemie kommt“, sagte der Leiter der Virusdiagnostik, Jonas Schmidt-Chanasit. Er räumte aber ein, mit den steigenden Infektionszahlen und immer mehr Helfern aus Europa steige das Risiko, dass ein Erkrankter einreise.

Die Ebola-Inkubationszeit beträgt bis zu drei Wochen. Erst bei Fieber, Durchfall oder Erbrechen könne der Betroffene das Virus weitergeben, sagte der Wissenschaftler. „Dafür ist ein enger Kontakt mit Erkrankten oder verstorbenen Patienten notwendig – wie ihn etwa Angehörige haben.“ Bei dem Schreckensszenario, man sitze zufällig neben einem unerkannt Infizierten in der U-Bahn, bestehe keine Übertragungsgefahr. „Dafür müsste man mit dem Blut oder Erbrochenen in Berührung kommen.“

Die seit Monaten andauernde Ebola-Epidemie in Westafrika ist die schwerste bisher registrierte. Bis zum 1. August wurden bereits knapp 900 Tote gemeldet. Die frühere Gesundheitsministerin von Mali, Fatoumata Nafo-Traoré, hatte am Montag vor einer möglichen Ausbreitung des Virus auf andere Länder oder sogar Kontinente gewarnt. Schmidt-Chanasit erklärte, sollte es tatsächlich demnächst einen „importierten Fall“ geben, brauche niemand in Panik zu verfallen. „Der Erkrankte würde sofort isoliert und identifiziert, da würde es zu keinen größeren Übertragungsketten kommen.“ Europa sei gut vorbereitet. Ebola sei zudem weniger ansteckend als etwa die Windpocken.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass unerkannt Helfer das Virus nach Europa einschleppen und hier mit Symptomen rumlaufen, ist extrem unwahrscheinlich“, so der Virologe. Das gut ausgebildete medizinische Personal aus Europa würde die Symptome sofort erkennen und sich in Quarantäne begeben. Auch Angst davor, dass afrikanische Flüchtlinge die Krankheit unwissentlich mitbringen, brauche niemand zu haben. Flüchtlinge könnten sich diese Flüge nicht leisten und kämen daher über den Landweg. „Dafür brauchen sie länger als die Inkubationszeit von drei Wochen.“ Wohlhabende Geschäftsreisende aus Westafrika gehörten wiederum nicht zu den Hauptgefährdeten von Ebola. „Weil sie eine höhere Bildung besitzen und eher die hygienischen Maßnahmen vor Ort beachten.“

Angesichts der steigenden Zahl von Ebola-Opfern in Westafrika hat die Weltbank den betroffenen Ländern eine Nothilfe von bis zu 200 Millionen US-Dollar (149 Mio. Euro) zugesagt. Die Mittel sollen Guinea, Liberia und Sierra Leone ermöglichen, das tödliche Virus unter Kontrolle zu bekommen und den wirtschaftlichen Schaden durch die Seuche zu mindern, hieß es am späten Montag (Ortszeit) auf der Webseite der Organisation. „Die internationale Gemeinschaft muss schnell handeln, damit die Ebola-Epidemie gestoppt werden kann“, sagte der Präsident der Weltbank-Gruppe, Jim Yong Kim. Ihm zufolge hatte die Organisation auf den Hilferuf von Guinea, Liberia und Sierra Leone sowie der WHO reagiert.


dpa/DAZ.online


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