Welt-Hepatitis-Tag

Hepatitis früher erkennen!

Hannover/Berlin - 28.07.2014, 10:31 Uhr


Bis zu einer Million Menschen sind in Deutschland mit Hepatitis-Viren infiziert, aber die wenigsten von ihnen wissen davon. Die typische Gelbsucht entwickelt nur ein Drittel der Betroffenen, ein Drittel bemerkt lediglich Grippe-Symptome, ein weiteres Drittel gar nichts. Jedoch kann die chronische Virushepatitis zu Spätfolgen wie Leberzirrhose sowie Leberkrebs führen und damit tödlich enden. Vor drei Jahren hat die WHO deshalb den Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli eingeführt.

Allein in Deutschland sterben laut der Deutschen Leberhilfe jährlich rund 14.000 Menschen an den Folgen chronischer Virushepatitis: davon etwa 8000 an Hepatitis C und 6000 an Hepatitis B. Die Zahlen hätten sich seit den 90er Jahren nicht verbessert, trotz besserer Therapien. Der Hauptgrund sei, dass viele Hepatitis-Infektionen zu spät diagnostiziert und nicht rechtzeitig behandelt werden. „Weder die systematische Untersuchung von Risikogruppen noch eine Kontrolle von Leberwerten bei Vorsorgeuntersuchungen gehören hierzulande zum Standard“, kritisierte Ingo van Thiel von der Deutschen Leberhilfe. Es werde immer noch zu wenig auf Virushepatitis untersucht. „Wenn man eine Erkrankung gar nicht erst erkennt, helfen auch die besten Therapiemöglichkeiten nicht“, mahnt er.

Der Bundesregierung wurde daher bereits vor einem Jahr ein nationaler Aktionsplan von Ärzten und Betroffenen-Verbänden vorgelegt. Dieser könnte auch den Nebeneffekt haben, dass Vorurteile abgebaut werden. „Leberkrankheiten insgesamt haben ein Schmuddel-Image und werden mit ‚alkoholkrank‘ gleichgesetzt“, erklärt Michael Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover und Mitbegründer der Deutschen Leberstiftung. Das sei eines der großen Hemmnisse, warum diese Krankheiten nicht häufiger erkannt und behandelt werden.

Nur zehn bis 20 Prozent der Hepatitis B- und C-Infektionen werden aktuell diagnostiziert, schätzt Manns. „Erhöhte Leberwerte gelten vielfach als Kavaliersdelikt, dabei müssen sie abgeklärt werden“, sagt der Gastroenterologe. Während Patienten mit einer chronischen Hepatitis B ähnlich wie HIV-Infizierte lebenslang Medikamente nehmen müssen, ist bei chronischer Hepatitis C eine Heilung möglich. Seit Jahresbeginn sind zwei neue Wirkstoffe auf dem Markt. Dem Wirkstoff Sofosbuvir hat der Gemeinsame Bundesausschuss zur Behandlung einer chronischen Hepatitis-C-Virusinfektion teilweise einen beträchtlichen Zusatznutzen attestiert. „Allerdings sind die Arzneimittelkosten noch ein großes Hindernis“, meint van Thiel.

Durch Schutzimpfungen kann die Infektion mit Hepatitis A- und Hepatitis B-Viren vermieden werden. Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages rät Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) zu einem konsequenten Impfschutz. Die Impfung gegen Hepatitis A wird für bestimmte Risikogruppen und Reisegebiete von der Ständigen Impfkommission empfohlen. „Deshalb sollte sich jeder Urlauber vor der Abreise umfassend über sein Ziel informieren“, erklärt Huml anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages.


dpa/DAZ.online


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