Gesundheitspräparate vom Discounter

Ökotest schickt Kunden zur Beratung in die Apotheke

Stuttgart - 25.07.2014, 12:36 Uhr


Wie gut sind Vitamine und Arzneimittel vom Discounter? Dieser Frage ging Ökotest mit fachlichem Beistand von Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz nach. Testkriterien waren unter anderem, ob die Wirksamkeit in Studien belegt wurde, die ausreichend hohe Dosierung der Wirkstoffe sowie bei NEM „der Nutzen für den gesunden Verbraucher“.

Nachdem Ökotest vor einiger Zeit Arzneimittel und Vitamine aus Supermärkten bewertet hatte, wurden diesmal entsprechende Präparate der Discounter Netto, Aldi Nord und Süd, Lidl, Norma und Penny unter die Lupe genommen. Fast durchweg „sehr gut“ schnitten dabei pflanzliche Präparate mit Baldrian oder Artischocke ab. Sie seien ausreichend hoch dosiert, und die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe sei belegt, so der Testbericht. Meerwasser-Nasensprays konnten ebenfalls punkten und erhielten die Höchstnote.

Vernichtend hingegen fiel das Urteil für Venencremes und -gele aus. Das Geld für die traditionellen pflanzlichen Arzneimittel zur Besserung des Befindens bei müden Beinen, deren Wirksamkeit nicht ausreichend belegt sei, solle man sich lieber sparen. Stattdessen raten die Tester zu kalten Güssen oder zum Gang in Apotheke. Den empfiehlt Ökotest übrigens generell bei Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen, Verträglichkeit oder gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente. Denn Beratung gäbe es beim Discounter nicht. Bei Beratungsbedarf sei die Apotheke Einkaufsort der Wahl.

Die getesteten Nahrungsergänzungsmittel, vor allem Vitamin-Präparate, halten die Tester in der Regel für entbehrlich und „ohne Nutzen für gesunde Verbraucher“. Kranke hingegen sollten besser einen Arzt aufsuchen und ihre Mangelerscheinungen bei entsprechendem Befund gezielt mit Arzneimittel behandeln. Besser als befriedigend schneidet in diesem Bereich kein Präparat ab.

Schlechtere Bewertungen werden vergeben, weil sich die Anbieter nicht an die Zufuhrempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung halten und Inhaltsstoffe zu hoch dosiert sind oder bestimmte Hinweise wie Altersbeschränkungen fehlen. Ein weiterer Grund für eine Abwertung war enthaltenes Eisen, das, so Ökotest, in Nahrungsergänzungsmitteln nichts zu suchen habe. Bei den getesteten Omega-3-Präparaten wurden ebenfalls der fehlende Nutzen für den gesunden Verbraucher und ein zugleich erhöhtes Risiko für Prostatakrebs aufgeführt. Das Fazit der Tester lautet hier, statt Nahrungsergänzungsmitteln lieber auf eine gesunde Lebensweise zu setzen.

Insgesamt seien, so Ökotest, die freiverkäuflichen Präparate vom Discounter meist genauso gut und genauso schlecht wie die aus dem Supermarkt. Ein direkter Vergleich mit Apotheken-Präparaten war nicht Gegenstand des Tests.


Julia Borsch


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