Forderung des Wissenschaftsrates

Mehr Professoren braucht das Land

Stuttgart - 16.07.2014, 08:59 Uhr


Etwa 7500 zusätzliche Professoren müssten laut dem Wissenschaftsrat an deutschen Hochschulen in den nächsten zehn Jahren eingestellt werden, damit die Universitäten ihre Aufgaben qualitätsgerecht erfüllen können. Dazu müssten vor allem die Karrieremöglichkeiten junger Akademiker nach der Promotion verbessert werden, um im Wettbewerb mit der freien Wirtschaft mithalten zu können.

Befristete Verträge über Jahre hinweg, zudem eine Bezahlung, die deutlich schlechter ist als in der Industrie, und wenn es mit einer Professur doch nicht klappt, ist es für eine Karriere in der freien Wirtschaft oft zu spät. An der Hochschule selber sind die Alternativen entweder unattraktiv oder gar nicht vorhanden. So sieht die Realität an deutschen Universitäten aus. Gut verständlich, dass sich junge Akademiker nach der Promotion häufig gegen die Unwägbarkeiten einer universitären Laufbahn entscheiden. Das soll künftig anders werden. Daher fordert der Wissenschaftsrat, der als das einflussreichste bildungspolitische Gremium in Deutschland gilt, laut einer aktuellen Mitteilung: „Der Beruf Wissenschaftler muss attraktiver werden.“

Der Rat reagiert damit auf eine besorgniserregende Entwicklung: Während die Zahl der Professoren in den vergangenen sechs Jahren nur um zehn Prozent gestiegen ist, legten die Studierenden-Zahlen um 22 Prozent zu. Um die Betreuungsrelationen zu verbessern, Betreuungs- und Prüfungsaufwand internationalen Standards anzunähern und den insgesamt gewachsenen Anforderungen Rechnung zu tragen, soll sowohl die Zahl der Professuren als auch die Zahl unbefristeter Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter deutlich erhöht werden. Das soll dazu beitragen, die Karriereperspektiven an der Universität zu verbessern.

Daher fordert der Rat vor allem die Ausweitung der sogenannten „Tenure-Track-Professuren“. Bei diesen Professuren auf Probe werden Stellen zunächst befristet besetzt. Bewähren sich die Kandidaten und weisen dies anhand vorab definierter Kriterien nach, müsse zukünftig die Übernahme auf eine dauerhafte Professur erfolgen. Klappt das nicht, soll die Karriere nicht wie bisher in einer Sackgasse enden, sondern es sollen attraktive, unbefristete Stellen in Forschung, Lehre und anderen Bereichen der Hochschule zur Verfügung stehen. Dafür bräuchten die Universitäten allerdings auch entsprechende Mittel.

Werden die Forderungen umgesetzt, könnte in den kommenden zehn Jahren die Zahl der Professuren schrittweise um insgesamt rund 7.500 erhöht werden. Die Zahl der unbefristet beschäftigten wissenschaftlichen Mitarbeiter soll in etwa demselben Umfang kontinuierlich ansteigen.


Julia Borsch


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