Italienische Studie

Mafia steckt hinter Arzneimitteldiebstählen

Berlin - 09.07.2014, 11:00 Uhr


In Italien ist die Zahl der Arzneimitteldiebstähle aus Kliniken im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. Nach den Ergebnissen einer gemeinsamen Studie der Universitäten Mailand und Trento explodierte die Diebstahlzahl um über 1000 Prozent im Jahr 2013. Die Autoren der Studie sehen dafür die Mafia verantwortlich.

Bei der Studie stützen sich die Wissenschaftler auf die Auswertung von in den italienischen Medien berichteten Diebstählen. Danach war in den Jahren 2006 bis 2013 statistisch jedes zehnte Krankenhaus in Italien Opfer eines Diebstahls. Der durchschnittliche Wert der gestohlenen Arzneimittel betrug 330.000 Euro. Insgesamt summiert sich der Wert der gestohlenen Ware auf knapp 20 Millionen Euro. Allein im Jahr 2013 kamen aus Kliniken Arzneimittel im Wert von zehn Millionen Euro abhanden.

Italiens Medien berichteten über 68 Diebstähle zwischen 2006 und 2013. Davon wurden alleine 51 im vergangenen Jahr verübt. Die meisten Diebstähle fanden mit 17 beziehungsweise 14 Fällen in den von der Mafia beherrschten Regionen Campania und Apulia statt. Im Norden Italiens gab es vor allem in der Region Friuli Venezia Giulia Diebstähle. In diesen Regionen ist nicht nur die Mafia besonders aktiv, sondern auch Gruppen Organisierter Kriminalität aus Osteuropa und Griechenland, schreiben die Autoren der Studie.

Besonders häufig betroffen von Diebstählen sind größere Kliniken mit mehr als 800 Betten und vielen Abteilungen. Die Autoren vermuten, dass solche Kliniken schlechter kontrolliert werden und einen höheren Arzneimittelumsatz haben. Außerdem wechsele dort häufiger das Personal. Das Federic II Krankenhaus in Neapel wurde fünf Mal bestohlen, die Cardarelli Klinik in Campobasso drei Mal.

Gestohlen wurden vor allem gezielt hochpreisige Arzneimittel wie Zytostatika, HIV-Arzneien, Antirheumatika und neue biologische Arzneien. Die Autoren spekulieren, dass die Ware über dubiose Großhändler und andere korrupte Händler vor allem nach Osteuropa wandert und von dort wieder nach Italien oder in Hochpreisländer wie Deutschland oder Schweden eingeschleust wird. Allerdings würden die gestohlenen Arzneimittel auch in illegalen Kliniken benötigt, in denen sich gesuchte Kriminelle behandeln ließen. Die gestohlene Ware werde auch zu Drogen, Sprengstoff oder zu Dopingzwecken weiterverarbeitet. Die Gewinnspannen seien enorm und das Risiko geringer als beim Menschen- oder Drogenhandel.  

Wegen der für solche Diebstähle erforderlichen aufwändigen Logistik gehen die Autoren davon aus, dass die Mafia diese Kette organisiert und in der Lage ist, das medizinische Personal in den Kliniken entweder zu bestechen oder zu unterwandern. Außerdem verfüge die italienische Mafia über gute Verbindungen zu osteuropäischen Gruppen.


Lothar Klein


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