87. Gesundheitsministerkonferenz

Ländliche Versorgung und Demografie im Blick

Berlin - 27.06.2014, 16:00 Uhr


Gestern und heute hat in Hamburg die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) getagt. Im Mittelpunkt stand dabei die gesundheitliche Versorgung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Die Gesundheitsminister und -senatoren der Länder beschlossen hierzu eine Strategie für die kommenden 15 Jahre. Beschlossen wurde zudem ein einheitliches Überprüfungsverfahren der Sprachkenntnisse von ausländischen Ärzten und Apothekern.

„Die älterwerdende Gesellschaft stellt unser Gesundheits- und Pflegesystem schon jetzt vor große Herausforderungen. Wir brauchen völlig neue Modelle der Gesundheitsversorgung für den ländlichen Raum und eine altersgerechte Medizin“, sagte die diesjährige GMK-Vorsitzende, Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Um die Versorgung auch im ländlichen Raum sicherzustellen, raten die Gesundheitsministerinnen und -minister unter anderem zu Gesundheitshäusern, in denen Ärzte temporär Sprechstunden abhalten, und dem Ausbau von mobilen Arztpraxen. Zudem müsse die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten sowie den verschiedenen Gesundheitsberufen untereinander intensiviert werden.

Neben einer besseren Verteilung der Ärzte und stärkeren Kompetenzen der Länder bei der Bedarfsplanung halten die Landesminister und -senatoren insbesondere eine Stärkung der Allgemeinmedizin notwendig. Das müsse schon im Medizinstudium beginnen. Prüfer-Storcks: „Im Moment bilden wir 90 Prozent Fachärztinnen und -ärzte und 10 Prozent Allgemeinmediziner aus. Wenn wir nicht gegensteuern, dann gehen uns nicht nur in den ländlichen Regionen die Hausärztinnen und -ärzte aus.“

Die Hamburger Senatorin wies ferner darauf hin, dass es große Übereinstimmungen zwischen den Vorschlägen der GMK und dem jüngsten Gutachten des Sachverständigenrates für das Gesundheitswesen gebe, das die Versorgung im ländlichen Raum als Schwerpunkt hat. „Wir haben unabhängig voneinander dieselben Probleme und Lösungen gesehen. Es ist zu hoffen, dass Bundesgesundheitsminister Gröhe diese doppelte Botschaft in seine weiteren Planungen einbezieht“, so Prüfer-Storcks.

Die Länder halten mit Blick auf die demografische Entwicklung auch ein Gesundheitsförderungs- und Präventionsgesetz für dringend geboten. In die Konzeption des Gesetzes sollen bisherige erfolgreiche Ansätze auf Länderebene einfließen. An der Finanzierung dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe sollen sich nach Auffassung der GMK alle Sozialversicherungsträger beteiligen – auch die private Krankenversicherung.

Auf der Tagesordnung des zweitägigen Ministertreffens standen zudem über 30 Anträge. Dabei ging es auch um die Überprüfung der für die Berufsausübung erforderlichen Deutschkenntnisse in akademischen Heilberufen. Denn wer als ausländischer Arzt, Psychotherapeut oder Apotheker in Deutschland tätig werden will, muss dafür über ausreichende Kenntnisse sowohl in der Umgangssprache als auch in der Fachsprache verfügen. Die GMK hat sich nun auf ein einheitliches Überprüfungsverfahren der Sprachkenntnisse verständigt.

Ärzte, Zahnärzte und Apotheker müssen sich mühelos mit Patienten mühelos verständigen, Anamnesen erheben und über Vor- und Nachteile von Behandlungen und Behandlungsalternativen aufklären können, heißt es in der Mitteilung der GMK. Gegenüber Kollegen müssen sie sich klar ausdrücken können, damit Fehldiagnosen und falsche Therapieentscheidungen aufgrund von Verständnisfehlern ausgeschlossen sind. Dazu ist ein allgemeines Sprachniveau B2 und ein Fachsprachenniveau C1 nachzuweisen. Die Anforderungen an Psychotherapeuten sind noch höher. Die Länder sind für Überprüfungen der Sprachkenntnisse und Erteilung einer Approbation zuständig.


Kirsten Sucker-Sket