Bundesverband der pharmazeutischen Industrie

Mehr Respekt für Pharma

Berlin - 25.06.2014, 12:26 Uhr


Nach der gestrigen Hauptversammlung und der Wahl des neuen Vorstandsvorsitzenden stehen für den Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie in den kommenden Monaten vor allem drei Themen im Fokus: Der angekündigte ressortübergreifende Dialog zu Forschung und Produktion, die Bewertung von Forschung an bewährten Wirkstoffen und die Weiterentwicklung der Rabattverträge.

Beim ressortübergreifenden Dialog müssten nach Ansicht des BPI auch Erstattungsfragen eine wesentliche Rolle spielen: Wer insbesondere die Produktion in Deutschland sichern wolle, komme um Fragen des Geldes nicht herum, sagte der neue Vorstandsvorsitzende Dr. Martin Zentgraf. „Wir haben seit Jahren eine derartig rigide Sparpolitik und Kostendämpfung, dass insbesondere die standortgebundene Industrie an ihrer Belastungsgrenze angekommen ist.“ Zentgraf erwartet, dass der Arbeit der pharmazeutischen Industrie auch Respekt gezollt wird – und dieser drücke sich auch in fairen Preisen aus.

Zentgraf beklagt zudem, dass die gegenwärtigen Rahmenbedingungen die Forschung an bewährten Wirkstoffen nahezu unmöglich machten. Dies sei nicht akzeptabel. So müsse etwa auch der Zusatznutzen neuer Darreichungsformen honoriert werden, sagte er bei der gestrigen Hauptversammlung. Doch solche Innovationen würden heute gleich mit einem Festbetrag belegt bzw. vom Gemeinsamen Bundesausschuss in die Liste austauschbarer Darreichungsformen eingereiht – Rabattverträge folgen. Es bedürfe eines Austauschverbotes und eines verlängerten Unterlagenschutzes für derartige Innovationen, so Zentgraf.

Was Rabattverträge betrifft, fordert der BPI eine Karenzzeit von anderthalb Jahren nach Ablauf des Patentes bis zur ersten Ausschreibung eines Wirkstoffs. Nur so könne sich überhaupt ein Generikawettbewerb entwickeln. Werde mit dem ersten Stichtag, dem Ablauf des Patentes, ausgeschrieben, führe dies „von vornherein zu Oligopolisierung und aus Kassensicht zu etwas Schlechtem“, so Zentgraf. Nämlich einem dauerhaft höheren Preisniveau. Zudem bedürfe es einer vernünftigen Auskömmlichkeitsprüfung. Bei Arzneimitteln für lebensbedrohliche, schwerwiegende und seltene Erkrankungen sowie bei kritischen Indikationen und Arzneimitteln mit geringer therapeutischer Breite sollte ganz auf Ausschreibungen verzichtet werden – ebenso wenn es weniger als vier Anbieter im jeweiligen Marktsegment gibt. „Bedenklich und gefährlich“ ist es aus BPI-Sicht, wenn versucht wird, das Ausschreibungsinstrument zwanghaft in Märkte zu pressen, in denen es keinen Platz hat – Stichwort Impfstoffe.

Wie weit der BPI mit seinen Anliegen kommt, wird sich weisen. Zum Dialog zeigt sich die Politik jedenfalls bereit – im September sollen die ressortübergreifenden Gespräche starten.


Kirsten Sucker-Sket


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